Internetpsychotherapie

Australische Forscher haben herausgefunden, daß zur Behandlung von Depressionen ein internetbasiertes Training genauso hilfreich wie ein persönliches Therapiegespräch sein kann. (mlu)

P.S.: Es sollte auch an einem internetbasierten Coaching-Programm für naturverpeilte ADHSler gearbeitet werden ;)

Null Toleranz!

Ja, es ist wahr! Ich war viele Jahre Sannyasin (bis vor etwa 8 Jahren), ein Jünger Bhagwans, ein Sucher nach Erleuchtung, Friede und Erlösung. Ich war erst Groupie und dann Trainee in dutzenden sogenannten “Therapie”-Gruppen, Encounter, Primal, Tantra, oft auch in einer “Marathonstruktur” (Schlafentzug), das ganze Programm eben. “Humanistische Psychologie”, pah!

Ein neurochemisches Gefühlsgewitter, eins nach dem anderen, Enlightenment-, nein Excitement-Intensive, ja, Eingeweihte kennen das!

Süchtig? Ja ich war süchtig, Geld war da (jetzt nicht mehr), Zeit und ein unbändiges Sensation-Seeking in jeder Faser meines Körpers. Orgiastisch. Meistens.

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Whatever you do, be total! If you dance, become the dance! (Osho)

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Es gibt Erkenntnisse aus der Glücksforschung, die das sogenannte Flow-Erlebnis beschreiben. Ich kenne das und halte das für das maximal erreichbare Wohlgefühl. Man kann es nicht willentlich abrufen (ADSler sowieso nicht) man bekommt es irgendwie “geschenkt”. Und man möchte es immer haben. Wer es kennt gibt ALLES dafür, es ist wie eine Religion oder wie eine Droge. Die Hare´s und Krishna´s und wie sie alle heissen nennen es Satori, Samadhi, Erleuchtung (tja, man kann´s auch übermystifizieren, aber ich bin ja kein Inder).

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Zurück zum Thema, eher kritisch:

ich habe während meiner “Therapeuten-Ausbildung” erlebt, wie eine Frau nach einer stundenlangen (!) Schreiorgie ihre Stimmbänder geschrottet hat. Die kam nie wieder, hab sie nach Monaten zufällig wiedergetroffen. Ihre Stimme war immer noch nicht wieder ok, noch immer in ärztlicher Behandliung. Kommentar der Verantwortlichen: “die hätte mehr “aus dem Bauch” schreien sollen, dann wäre das nicht passiert.”

Andere sind in Psychosen und Wahnvorstellungen geraten: Kommentar der Verantwortlichen: “Das wäre früher oder später sowieso passiert, die Anlagen dazu waren schliesslich da, der kann froh sein, daß es HIER passiert, wo wenigstens seine “Freunde” (wir) um ihn rum sind.”

Wieder andere haben offen Therapeuten oder das Institut kritisiert. Denen hat man für einen Tag ein Schild um den Hals gehängt: I´m a stinky asshole with a big authority trip. Als “Selbsterfahrung”. Oder sie konnten eben gehen (Geld wurde abzüglich Bearbeitungsgebühr, Kosten für Pflicht-Aids-Test und anteilig der bereits verbrachten Zeit selbstredend zurückerstattet)

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Ich bin sicher, absolut sicher, daß es viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen gibt die solche Geschichten bestätigen können. Meist jedoch ist er/sie ist (noch) Teil eines solchen Systems und WILL es nicht bestätigen. Ach, es ist halt so wie sonst überall auch, man beißt nicht in die Hand, die einen füttert…

Ich kenne aber auch einige, die wie ich lange Jahre da mitgemischt haben und jetzt sehr kritisch auf diese Zeit zurückblicken. Aber sie alle haben meines Wissens eine neue “spirituelle” Heimat gefunden, einen anderen, vielleicht gnädigeren “Meister”, eine andere Philosophie (und doch wieder die gleiche Pampe).

Aus den Kreisen in denen ich mich bewegt habe bin ich einer der ganz ganz wenigen, die konsequent und ersatzlos jeglichen Kontakt mit Eso-Bewußtseins-Schwurbelthemen abgebrochen haben. In meinem direkten ehemaligen Umfeld sogar der Einzige.

Wie beim Rauchenaufhören. Jede einzelne Zigarette, jeder Zug kann ein Rückfall sein. So wie ich als Ex-Raucher mittlerweile die Raucher bedaure, bemitleide ich diese erbärmlichen stehengebliebenen Leute, die nach 20 Jahren noch immer ihrem “Inneren Kind” hinterherheulen.

Erst eine totale Abkehr vom Irrationalismus hat schliesslich den Grundstein und die Bereitschaft zur ADS-Diagnose gelegt, vorher wäre ich niemals dafür aufgeschlossen gewesen. Seit ich angemessen behandelt werde haben meine Süchte nachgelassen, ich erlebe das wichtigste in meinem Leben überhaupt: Stabilität.

Ich liebe meinen Sohn, meine Freundin, ich mag meinen Job. Das Leben ist, so wie es ist, unglaublich magisch und zauberhaft. Ich brauche kein Geschwurbel, keine Geister und Gespenster, keinen übernatürlichen Gott, keinen Guru. Ich lebe und liebe. So gut ich kann.

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Fragen und Antworten zum Thema:

Was bedeutet der Titel “Null Toleranz!”?

Damit ist die kompromisslose Absage an die geistigen Versuchungen meiner Vergangenheit gemeint. Keine Diskussion! Allein beim Begriff “Bewußtseinserweiterung” rollen sich mir die Zehennägel auf. Nicht daß es so etwas prinzipiell nicht geben kann, aber das ganze Eso-Drumrum ist zuviel. Und eben genau da: Null Toleranz! Wie beim Rauchen –> nein nichtmal einen Zug…Man könnte auch sagen Nulltoleranz mir selbst gegenüber…

Wie hast du es geschafft auszusteigen, wer hat dir geholfen?

Geholfen habe ich mir hauptsächlich selbst. Es war die wachsende Erkenntnis, daß meine “fellow travellers” einschliesslich mir selbst keinen Meter vom Fleck kamen, und das über Jahre hinweg, daß nichts Gescheites zustandekam und mein Leben nach wie vor ein chaotischer Trümmerhaufen war. Ich glaube es gab auch ein auslösendes Moment, eine “Freundschaft” stellte sich als etwas anderes heraus als ich gehofft habe. Ach ja, und ich hatte einen guten Job in Aussicht, das war ein Kick…Klar ist, wenn man viele Jahre in der Szene verbracht hat, hat man keine Ansprache oder Hilfe von “aussen” mehr. War nicht leicht…

Hast du Namen oder Details zu deiner Geschichte?

Ja, aber die gebe ich nicht preis! Erstens zu lange her, zweitens habe ich teilweise noch sporadischen persönlichen Kontakt, drittens ists eh nur bestenfalls die zweite Reihe der Psycho-Hökerer (es gibt weitaus Schlimmeres). Die Verführung des “Flow” kann bei entsprechender psychischer Disposition so stark sein, daß ich mich schwer tue, jemanden der der Versuchung erliegt namentlich an den Pranger zu stellen. Über die großen Gangster der Irrationalenszene finden man z.B. HIER Informationen. Dagegen war das was ich erlebte wahrscheinlich eher harmlos…

Bist du nachtragend?

Nicht den Swamis und Mas gegenüber, die ich damals getroffen habe. Es war nicht alles schlecht, viele abgefahrene Sachen die ich erlebt habe hätte ich in einem angepassten bürgerlichen Leben nicht erlebt. Es ist ein Frage der Verhältnismäßigkeit, bereuen tu ich nichts. Dennoch halte ich es für wichtig, solchen Machenschaften um der Allgemeinheit willen Paroli zu bieten. Das tue ich indem ich hier im Blog und anderswo gegen Irrationalitäten, zur Zeit besonders die “Alternativmedizin”, schreibe. Da bin ich nicht immer nett, und das ist gut so. Denn irgendwie, auch wenn ich keine Namen nenne, trifft es nie die Falschen. Beruhigend, oder?

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P.S.: Die Fragen habe ich mir natürlich selbst gestellt. Das merkt man doch, oder?

Hat ADS auch Vorteile?

auf der recht informativen und empfehlenswerten privaten Seite www.ads-bei-erwachsenen.de habe ich eine wie ich finde ziemlich vollständige Liste über die positiven Eigenschaften von ADS gefunden. Die Beschäftigung damit ist für jeden ADSler essentiell, die vielfach traurigen Erfahrungen von Ausgrenzung, Ablehnung etc. können nur mit positiven Ansätzen aufgearbeitet werden. “Ressourcenorientiert” nennt sich so eine Therapie bzw. Coaching.

o Interessante Persönlichkeit
- werden nie das Bild der “typischen Frau/ Mann/ Tochter/ Sohn/ etc” erfüllen
- entwickeln sehr schnell ihren ganz eigenen Stil
- vielschichtig
- Menschen mit Überraschungswert
- wandlungsfähig
- offen
- echt
- selbstbestimmt
- interessant
- aktiv
- beweglich
- anspruchsvoll

o Können überdurchschnittlich erfolgreich sein
- bei nötiger Struktur von außen zu ungewöhnlichen bzw. nicht erwarteten Leistungen
fähig
- Last- Minute- SpezialistInnen und Durchzieherqualitäten
- ehrgeizig
- autonom/ unabhängig
- schnell (nicht die Hypoaktiven)
- Hier-und-Jetzt begabt
- Multi- tasking- begabt

o starker Gerechtigkeitssinn
- vermehrte Treue in der Partnerschaft
- faires Verhalten
- Loyalität Freunde gegenüber
- nicht nachtragend

o Fürsorge für Schwächere
- empathisch
- “mütterlich”
- ein Herz für Außenseiter
- hilfsbereit
- sensibel (hören manchmal das Gras wachsen)

o Ungewöhnliche Kreativität in vielen Bereichen
- Einfalls- und ideenreich
- neugierig
- vielseitig interessiert
- phantasievoll

o Denken große Gedanken, träumen große Träume
- Potential für sehr große Ideen und Visionen, denn ADS’ler lernen schon von Kind an gegen
diese “unsichtbare Wand” anzukämpfen und Dinge zu machen, die anderen nur halb so
schwer fällt
- großes Potential an Kreativität und “Andersdenken”
- eine visionäre Vorstellungskraft
- können in ihrer Vorstellungswelt aus der kleinsten Ideen einen großen Durchbruch
machen
- können Zufallsbegegnung zu wunderschönen gemeinsamen Abenden machen
- leben von Träumen

o Fähigkeit zu unkonventionelle Lösungen
- ImprovisationskünstlerInnen
- fühlen sich meist nicht mehr an Normen gebunden
- innovativ
- Neuem gegenüber aufgeschlossen

o Spontan

o Gefühlsbetont

o Konzentrationsfähigkeit auf starke Interessen (Tunnelblick)

o Verhandlungsgeschick

o Rhetorisch und sprachliche Fähigkeiten

o Intelligenz
- oft Hochbegabung oder überdurchschnittliche Intelligenz

o Tierliebe
- hängt vermutlich mit der starken Emotionalität zusammen
- lieben alle Lebewesen, die “anders” sind

o Willensstark
- Oft wird unterschätz welch eine Willenskraft ADS’ler haben- weil man nicht sieht wie viel
Kraft hinter einem “ADS-Leben” steckt
- Leute mit ADS gedeihen am besten mit vielen Herausforderungen

o Geben gerne
- ADS’ler arbeiten oft für andere in einer Weise, wie sie nicht für sich selbst arbeiten
würden

o Mut zum Risiko
- ADS’ler gehen Risiken ein, solange sie die potentiellen Gefahren nicht unterschätzen kann
das eine Stärke bleiben
- gelegentlich verwegen (nicht unbedingt mutig, da bei manchen das Angsterleben fehlt)

o Erleben große Dinge
- ADS’ler suchen den Kick, dass Besondere. Denn nur besonders stimulierende Situationen
oder Reize gleichen ihre Aufmerksamkeits-Störung aus.

Diese Liste gibt es auch als Druckversion, bzw. Download (PDF) HIER

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Anmerkung:

Um der Idee, ADS sei so gesehen ja wohl eher eine Begabung als eine Beeinträchtigung vorzubeugen, sei gesagt, daß einige der positiven Eigenschaften sehr schnell ins Gegenteil umschlagen können. So wird “Gerechtigkeitssinn” und “Fürsorge für Schwächere” auch schon mal zu “engagiertem Mobbing”, Intelligenz zu sturer Ignoranz, Kreativität zu Einfallslosigkeit, je nach Laune und Situation (ich kenne das von mir selber). Das eigentliche Problem dabei sind hier nicht die Eigenschaften, sondern die ADS-bedingte Schwierigkeit zum Belohnungsaufschub und zur intrinsischen Motivation, Probleme, die Stinos so ausgeprägt nicht haben. Von körperlicher Getriebenheit (Hyperaktivität) ganz zu schweigen…

Methylphenidat erhält in den USA Zulassung für Erwachsene mit ADHS

journalmed schreibt heute:

Methylphenidat erhält in den USA Zulassung für Erwachsene mit ADHS

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat dem Antrag von Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development L.L.C. auf Erweiterung der Zulassung für Methylphenidat zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren zugestimmt.

(…)

ADHS-Patienten können jetzt in den USA aufgrund der aktuellen Zulassung über das 18. Lebensjahr hinaus mit Methylphenidat behandelt werden. Ein wichtiger Schritt für die Betroffenen, denn bei ADHS handelt es sich um die häufigste psychiatrische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter, die nach Angaben des Amerikanischen Instituts für Psychische Gesundheit (National Institute of Mental Health, NIMH) bei 30 bis 70 Prozent der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter persistiert. Zudem hat sich gezeigt, dass bei vielen Kindern mit ADHS auch ein Elternteil von der Erkrankung betroffen ist.(…)

zum ganzen Artikel

HIER gefunden Ritalin

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Über Heilpraktiker

Heilpraktiker ist in Deutschland eine Bezeichnung für Personen, die auch ohne medizinische Ausbildung kranke Menschen behandeln dürfen. Zur Ausübung genügt ein Hauptschulabschluss, das Alter von 25 Jahren, ein ärztliches Attest, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Test beim Gesundheitsamt, dessen Ziel es ist zu prüfen, ob die angehende Heilpraktikerin eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt. Dazu muss per Multiple Choice (60 Fragen, von denen 45 richtig sein müssen) und einer mündlichen Prüfung gezeigt werden, dass man in der Lage ist, allgemeingefährdende Infektionskrankheiten und akute Krankheitszustände zu erkennen und sie umgehend an ausgebildete Ärzte weiterzuleiten. Weiterhin werden Grundlagen der Hygiene und der Differentialdiagnose abgefragt. Eine Prüfung, nach welchem Konzept und wie ein zukünftiger HP gedenkt, seine Kunden zu heilen, gibt es nicht.(…) QUELLE

Das sagt eigentlich alles. Warum nur gehen immer mehr Menschen zu denen, die weder über eine gescheite Ausbildung noch irgendwelche Qualitätskontrollen verfügen und die sich allein aufgrund eines Gesetzes aus der Nazizeit unbehelligt irgendwelche Werbeschilder für allerlei pseudomedizinische Verfahren vor die Haustür nageln dürfen mit Angaben zu Sprechzeiten, “Fachrichtungen” einschl. einem zum Teil für Laien kaum zu erkennenden Mangel an Seriösität? Sicher gibt es auch Heilpraktiker, die es ernst meinen und selber an ihre “Medizin” glauben, aber an der Sache selbst ändert das nichts.

Leute, denkt doch ein bissle mit!

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Außerdem auch hier, wer sich in Gefahr begibt, ist der Patient:

Wenn Heilpraktiker pfuschen, ist der Patient zumeist machtlos: Wort steht gegen Wort, denn der Heilpraktiker muss nichts dokumentieren. Und so haben auch die Gesundheitsämter kaum eine Möglichkeit, den gefährlichen Heilpraktikern die Zulassung zu entziehen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1939 erlaubt fast jedem als Heilpraktiker zu arbeiten, eine Berufsordnung oder ein Standesrecht gibt es nicht. Heilpraktiker, die Patienten gefährden, müssen also kaum etwas befürchten. Caroline Walter berichtet über die Untätigkeit des Staates.(…)QUELLE

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Komorbidität

Im Umgang von ADSlern untereinander wird nicht so gerne über komorbide Störungen gesprochen, da ist eher von ADS in Kombination mit Hochbegabung oder ADS als “Gabe, Andersbegabung” die Rede. Verständlich, denn warum sollte man sich selbst pathologisieren wollen. Ich bin auch nicht frei davon. Dazu kommt noch eine mangelhafte Selbsteinschätzungsfähigkeit, übrigens bei fast allen ADSlern.

Im Wikipedia-Artikel über ADHS (der sich übrigens in den letzten Jahren zu einer recht brauchbaren Kurzübersicht entwickelt hat) gibt es eine kleine Aufstellung der häufigsten Komorbiditäten im Erwachsenenalter:

Komorbidität im Erwachsenenalter

Sucht

Bei unbehandelten ADHS-Betroffenen ist die Gefahr, eine Sucht auszubilden, um ein Vielfaches größer als bei Nichtbetroffenen. Auf dem 9. Suchtmedizinischen Kongress 2000 in München stellte Michael Huss eine Studie vor, die besagt, dass behandelte Betroffene ein signifikant geringeres Suchtrisiko als unbehandelte haben. Das Suchtrisiko behandelter Betroffener entsprach dem einer Normalperson. Neurologen sehen den Grund für die erhöhte Suchtneigung ADHS-Betroffener darin, dass diese mit Drogen versuchen, eine Selbstmedikation durchzuführen. Alkohol, Nikotin und viele Drogen wirken auf den gestörten Dopaminhaushalt so, dass der Betroffene sich unter dem Einfluss dieser Stoffe ruhiger und leistungsfähiger fühlt. Da diese Stoffe schlecht kontrollierbare Nebenwirkungen haben und eine Abhängigkeit durch die Gewöhnung entwickelt werden kann, besitzen Personen mit ADHS ein hohes Suchtpotential.

Affektive Störungen

Affektive Störungen sind eine ganze Gruppe von Störungen und Diagnosen, die sich von der Manie und der Bipolaren Störung bis zur Depression erstreckt. Allen Störungen ist eine anhaltende Störung der Affekte also der Grundstimmung gemein.

Angststörungen

Angststörungen bezeichnen erneut eine ganze Gruppe von Störungen in denen eine Angst vor einem Objekt oder einer Situation im Vordergrund steht, die nicht angemessen ist.

Zu den Angststörungen gehören nach dem ICD 10:

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind verschiedene überdauernde Erlebens- und Verhaltensmuster mit Beginn in der Kindheit und Jugend, die von einem flexiblen, situationsangemessenen (“normalen”) Erleben und Verhalten in jeweils charakteristischer Weise abweichen. Sie sind durch relativ starre mentale Reaktionen und Verhaltensformen gekennzeichnet, vor allem in Situationen, die für die jeweilige Person konflikthaft sind. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens beeinträchtigt.

Somatisierungsstörungen

Somatoforme Störung sind körperliche Störungen die nicht auf eine organische Ursache zurückgeführt werden können, also psychisch bedingt sind.

Sehr wichtig dabei zu verstehen ist, dass viele Psychiater, Psychotherapeuten und vor allem Psychoanalytiker immer noch zuwenig über die ADHS/ADS und deren Häufigkeit wissen (oder wissen wollen) und daher eine ADHS als Basis für z.B. eine Depression diagnostisch nicht einmal in Erwägung ziehen. So verschleppt sich ein Leid unnötig und z.T. jahrelang und wird sinnlos und uneffektiv behandelt.

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ADHS und die Suche nach bildgebenden Diagnoseverfahren

Immer wieder wird von vereinzelten Moralaposteln und Dickebackemachern postuliert, ADHS gäbe es nicht, es wäre nur eine Scheindiagnose. Klar, es ist immer einfacher ein fehlendes Gliedmass zu diagnostizieren als sich mit einem komplexen Störungsbild auseinanderzusetzen. Jetzt bin ich beim Surfen auf einen Ansatz des Brain Center Berlin gestossen, das mit Hilfe von EEG nach dem “Endophänotyp” ADHS sucht. Neben anderen Ansätzen (Schweiz, USA) in diese Richtung scheint mir diese Seite wegen der verständlichen Erklärung zitiergeeignet:

Zahlreiche Studien belegen, dass bei Individuen mit ADHS genetische Abwandlungen im dopaminergen System existieren, so dass die modulierende und modifizierende Einwirkung des mit dem Neurotransmitter Dopamin verknüpften Steuerungssystems verringert wird. Allerdings gibt es mindestens fünfzehn, vermutlich sogar das doppelte bis dreifache an genetischen Variationen, die in wechselnder Zusammensetzung bei Menschen mit ADHS gefunden werden.
Eine Diagnose oder gar epidemiologische Untersuchung auf genetischer/ molekularbiologischer Basis ist daher auf absehbare Zeit nicht denkbar.

Vielversprechend gerade bei Störungsbildern vom Typ der ADHS dürfte aber das relativ junge Konzept des Endophaenotyp sein (…)

Diesem Endophaenotypus von ADHS entspricht in unserem Konzept die typische ADHS-assoziierte zentralnervöse Regulationsdynamik, die sich – wie unsere bisherigen Untersuchungen zeigen – in einer spezifischen Morphodynamik des spontanen Ruhe-EEG’s abbildet.
Bestätigende Hinweise auf einen solchen Zusammenhang zwischen spezifischer Morphodynamik des EEG’s und besonderen Persönlichkeits- und Reaktionsmerkmalen finden sich bereits in einer Reihe älterer Veröffentlichungen (…)

Hier gehts zum GANZEN Artikel

Ob sich dieser Ansatz irgendwann bestätigt? Wir werden sehen…

Sigmund Freud über ADHS

natürlich gab es den Begriff ADHS zu Freuds Zeiten noch nicht, aber erkannt hat er es schon:

Sigmund Freud und die Aufmerksamkeitsstörung

Johanna und Klaus-Henning Krause

Bei der Vielzahl der von Freud beschriebenen psychischen Auffälligkeiten überrascht es nicht, daß dieser vielleicht wichtigste Forscher des 20. Jahrhunderts um die Problematik der Aufmerksamkeitsdefizit-Störung wußte, wobei er selbst sich nicht als betroffen ansah. Er sagt dies klar in seiner Schrift „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“:

„Es gibt Menschen, die man als allgemein vergeßlich bezeichnet und darum in ähnlicher Weise als entschuldigt gelten läßt wie etwa den Kurzsichtigen, wenn er auf der Straße nicht grüßt. Diese Personen vergessen alle kleine Versprechungen, die sie gegeben, lassen alle Aufträge unausgeführt, die sie empfangen haben, erweisen sich also in kleinen Dingen als unverläßlich und erheben dabei die Forderung, daß man ihnen diese kleineren Verstöße nicht übel nehmen, d. h. nicht durch ihren Charakter erklären, sondern auf organische Eigentümlichkeit zurückführen solle. Ich gehöre selbst nicht zu diesen Leuten und habe keine Gelegenheit gehabt, die Handlungen einer solchen Person zu analysieren, um durch die Auswahl des Vergessens die Motivierung desselben aufzudecken.“ (1, S.173)

An dieser Textstelle ist besonders bemerkenswert, daß Freud nicht nur perfekt eine wesentliche Facette der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) schildert, sondern daß er zu dem in geradezu seherischer Weise die Erkenntnisse der letzten Jahre als Argument der Betroffenen vorwegnimmt, wonach es sich nicht um eine Charakterschwäche, sondern um eine „organische Eigentümlichkeit“ handelt. Doch Freud wäre nicht Freud, wenn er nicht psychoanalytische Überlegungen zur Problematik der Aufmerksamkeitsstörung anstellte; und so fährt er in seinem Text fort: HIER der ganze Bericht!

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Interessant dabei finde ich, dass manche orthodoxe Freudianer von heute eine organische Ursache von ADHS geradezu fanatisch abstreiten und die Ursache eher in irgendwelchen frühkindlichen Traumata suchen. Es scheint als ob die relativ hohen Kosten einer psychoanalytischen Ausbildung um jeden Preis durch langwierige Therapiemassnahmen wieder reingeholt werden sollen. Das behaupte ich einfach mal so, es gibt sicher auch Ausnahmen die das anders sehen…

Thema “Freud” via Schlammschwimmer

Nicht ausgelastet

Heute wieder Therapiesitzung (Coaching) gehabt. Darüber gesprochen dass sich so verdammt wenig in meinem Leben tut und dass mich dieser Stillstand ziemlich frustet: was tun woran liegts blablabla…

Schliesslich habe ich vor 2 Jahren ja soooo große Fortschritte gemacht. Und jetzt hänge ich stundenweise vor der Glotze oder am PC oder beides gleichzeitig.

Meine Therapeutin meinte recht trocken, für jemanden in meinem Alter sei eine 70%-Beschäftigung (mein Job) einfach zuwenig, ich hätte einfach zuviel Zeit zum Grübeln und zum Totschlagen. Ich sei unterfordert und solle mir einen Nebenjob oder was weiss ich was suchen, die Zeiten in denen man einfach darauf warten könne, dass von Aussen etwas passiert was einen “rausreisst” seien vorbei.

Achja, und dass das ganz meine Aufgabe wäre und weder sie noch mein Sohn noch meine Freundin mir helfen könnten.

Auf der Heimfahrt im Zug habe ich realisiert, wie recht sie hat. Nun denn, auf gehts also!

ABER: Irgendwie sagt mir meine lange Erfahrung das wird nichts und das kann ich nicht! Und wenn ich mich in diese Aufgabe gedanklich reinstresse fühle ich mich alles andere als der Sache gewachsen. Was schliesslich folgende These bestätigt: Der Kampf gegen den “inneren Schweinehund” ist vor allem der Kampf gegen ein negatives Selbstbild.

Autsch :(

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Macht Ritalin süchtig?

Ganz klar: NEIN. Das sage ich aus eigener Erfahrung. Im Gegenteil. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre süchtig danach, dann würde ich die Einnahme nicht so oft vergessen. Es ist ein Kreuz, immer wieder neue Tricks auszudenken, um mich selbst dazu zu bewegen, meine Medis einzunehmen (geplant ist neuerdings die Anschaffung einer Pillendose mit Piepston).

Und bei Sucht kann ich mitreden, ich habe früher Jahre u.a. im Alkoholnebel verbracht. Meine tägliche Dosis Alk habe ich dabei nie vergessen…

Wie kommt es dazu, dass dieses Gerücht entgegen fehlender Nachweise immer wieder an die Oberfläche kommt? Nun, recherchiert man da näher stehen hinter diesen Gerüchten fast IMMER irgendwelche Anbieter von Pfuschmedizin, gefährliche Algenpräparate, unwirksames Homöopathen-Zeugs etc etc. Oder ideologische ADS-Verneiner, Besserwisser oder im schlimmsten Fall diese hier.

Noch einmal: für die Behauptung, Methylphenidat mache bei ordnungsgemäßer humaner Anwendung süchtig gibt es trotz mehrerer Studien keine wissenschaftlichen Nachweise!

P.S.: Der Markenname “Ritalin” steht hier stellvertretend für alle medizinischen Präparate mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Ich selbst nehme ein billigeres Generikum.
P.P.S.: selbstverständlich ist ein Missbrauch dieses Medikaments, wie bei anderen Medikamenten auch, durchaus denkbar: “Alle Dinge sind Gift und nichts ohn Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist!” Paracelsus (1493 – 1541). Methylphenidatverschreibungen sind in Deutschland jedoch strengen Auflagen unterzogen, so dass sich der Missbrauch hierzulande wohl deutlich in Grenzen halten wird.