Medikation 2.0

Seit mindestens einem Vierteljahr habe ich keine Medis mehr genommen. In einer arbeitsfreien Zeit, ich glaube es war um Weihnachten rum, habe ich die Einnahme eingestellt. Ich hatte einfach das Gefühl mein Leben jetzt im Griff zu haben und wollte mich daraufhin testen. Immerhin habe ich nach meiner Diagnose im Jahr 2005 nicht zuletzt durch MPH (=Methylphenidat) eine Stabilität in mein Leben gebracht, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Der Gerichtsvollzieher war seit wenigen Jahren nicht mehr bei mir, ich habe einen festen Job (auf sehr niedrigem Einkommensniveau, aber wen juckts), rauche nicht mehr wie ein Schlot und kiffe nicht mehr. Meine Finanzen sind auch einigermaßen up to date. Wer mich von früher her kennt und über ADHS nicht Bescheid weiß könnte sagen der Kerl sei endlich auf den Boden gekommen.

Nach dieser Medi-Pause schleicht sich nun langsam aber massiv das Chaos wieder ein – meine Wohnung ist wieder mal ein Saustall und wenn meine  geduldige Freundin nicht wäre hätte ich wieder einen wichtigen Ämtertermin vergeigt.  Ich spüre wie ich wieder auseinanderfalle, Züge verpasse und tagträumend und uneffektiv durch den Supermarkt schlendere. ADHS ist nunmal auch ein Problem der Selbststeuerung (ich weiß zwar was ich tue, kann aber verflixtnochmal nicht immer tun was ich weiß). Nebenbei macht sich auch  eine unangenehme Depressivität bei mir breit. Sozial werde ich zunehmend ungeniessbarer (subjektive Einschätzung). Mein Leben geht klar zurück in Richtung “totalverpeilt” und es heisst nun entgegensteuern wenn ich nicht will daß es so wird wie früher.

Meine erste medi-freie Zeit ist damit beendet!

Auch meine Freundin wird sich freuen wenn ich wieder öfter “online” bin. Im echten Leben, versteht sich…

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ADHS zählt zu den am besten behandelbaren,  erblich bedingten bio-psychosozialen Störungen überhaupt. Vorausgesetzt man behandelt richtig! MPH ist da nach wie vor in vielen Fällen das Mittel der ersten Wahl. Ärztliche Kontrolle und Psychodingens ist dabei Pflicht!

Bild oben: geralt, Pixelio

Null Toleranz!

Ja, es ist wahr! Ich war viele Jahre Sannyasin (bis vor etwa 8 Jahren), ein Jünger Bhagwans, ein Sucher nach Erleuchtung, Friede und Erlösung. Ich war erst Groupie und dann Trainee in dutzenden sogenannten “Therapie”-Gruppen, Encounter, Primal, Tantra, oft auch in einer “Marathonstruktur” (Schlafentzug), das ganze Programm eben. “Humanistische Psychologie”, pah!

Ein neurochemisches Gefühlsgewitter, eins nach dem anderen, Enlightenment-, nein Excitement-Intensive, ja, Eingeweihte kennen das!

Süchtig? Ja ich war süchtig, Geld war da (jetzt nicht mehr), Zeit und ein unbändiges Sensation-Seeking in jeder Faser meines Körpers. Orgiastisch. Meistens.

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Whatever you do, be total! If you dance, become the dance! (Osho)

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Es gibt Erkenntnisse aus der Glücksforschung, die das sogenannte Flow-Erlebnis beschreiben. Ich kenne das und halte das für das maximal erreichbare Wohlgefühl. Man kann es nicht willentlich abrufen (ADSler sowieso nicht) man bekommt es irgendwie “geschenkt”. Und man möchte es immer haben. Wer es kennt gibt ALLES dafür, es ist wie eine Religion oder wie eine Droge. Die Hare´s und Krishna´s und wie sie alle heissen nennen es Satori, Samadhi, Erleuchtung (tja, man kann´s auch übermystifizieren, aber ich bin ja kein Inder).

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Zurück zum Thema, eher kritisch:

ich habe während meiner “Therapeuten-Ausbildung” erlebt, wie eine Frau nach einer stundenlangen (!) Schreiorgie ihre Stimmbänder geschrottet hat. Die kam nie wieder, hab sie nach Monaten zufällig wiedergetroffen. Ihre Stimme war immer noch nicht wieder ok, noch immer in ärztlicher Behandliung. Kommentar der Verantwortlichen: “die hätte mehr “aus dem Bauch” schreien sollen, dann wäre das nicht passiert.”

Andere sind in Psychosen und Wahnvorstellungen geraten: Kommentar der Verantwortlichen: “Das wäre früher oder später sowieso passiert, die Anlagen dazu waren schliesslich da, der kann froh sein, daß es HIER passiert, wo wenigstens seine “Freunde” (wir) um ihn rum sind.”

Wieder andere haben offen Therapeuten oder das Institut kritisiert. Denen hat man für einen Tag ein Schild um den Hals gehängt: I´m a stinky asshole with a big authority trip. Als “Selbsterfahrung”. Oder sie konnten eben gehen (Geld wurde abzüglich Bearbeitungsgebühr, Kosten für Pflicht-Aids-Test und anteilig der bereits verbrachten Zeit selbstredend zurückerstattet)

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Ich bin sicher, absolut sicher, daß es viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen gibt die solche Geschichten bestätigen können. Meist jedoch ist er/sie ist (noch) Teil eines solchen Systems und WILL es nicht bestätigen. Ach, es ist halt so wie sonst überall auch, man beißt nicht in die Hand, die einen füttert…

Ich kenne aber auch einige, die wie ich lange Jahre da mitgemischt haben und jetzt sehr kritisch auf diese Zeit zurückblicken. Aber sie alle haben meines Wissens eine neue “spirituelle” Heimat gefunden, einen anderen, vielleicht gnädigeren “Meister”, eine andere Philosophie (und doch wieder die gleiche Pampe).

Aus den Kreisen in denen ich mich bewegt habe bin ich einer der ganz ganz wenigen, die konsequent und ersatzlos jeglichen Kontakt mit Eso-Bewußtseins-Schwurbelthemen abgebrochen haben. In meinem direkten ehemaligen Umfeld sogar der Einzige.

Wie beim Rauchenaufhören. Jede einzelne Zigarette, jeder Zug kann ein Rückfall sein. So wie ich als Ex-Raucher mittlerweile die Raucher bedaure, bemitleide ich diese erbärmlichen stehengebliebenen Leute, die nach 20 Jahren noch immer ihrem “Inneren Kind” hinterherheulen.

Erst eine totale Abkehr vom Irrationalismus hat schliesslich den Grundstein und die Bereitschaft zur ADS-Diagnose gelegt, vorher wäre ich niemals dafür aufgeschlossen gewesen. Seit ich angemessen behandelt werde haben meine Süchte nachgelassen, ich erlebe das wichtigste in meinem Leben überhaupt: Stabilität.

Ich liebe meinen Sohn, meine Freundin, ich mag meinen Job. Das Leben ist, so wie es ist, unglaublich magisch und zauberhaft. Ich brauche kein Geschwurbel, keine Geister und Gespenster, keinen übernatürlichen Gott, keinen Guru. Ich lebe und liebe. So gut ich kann.

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Fragen und Antworten zum Thema:

Was bedeutet der Titel “Null Toleranz!”?

Damit ist die kompromisslose Absage an die geistigen Versuchungen meiner Vergangenheit gemeint. Keine Diskussion! Allein beim Begriff “Bewußtseinserweiterung” rollen sich mir die Zehennägel auf. Nicht daß es so etwas prinzipiell nicht geben kann, aber das ganze Eso-Drumrum ist zuviel. Und eben genau da: Null Toleranz! Wie beim Rauchen –> nein nichtmal einen Zug…Man könnte auch sagen Nulltoleranz mir selbst gegenüber…

Wie hast du es geschafft auszusteigen, wer hat dir geholfen?

Geholfen habe ich mir hauptsächlich selbst. Es war die wachsende Erkenntnis, daß meine “fellow travellers” einschliesslich mir selbst keinen Meter vom Fleck kamen, und das über Jahre hinweg, daß nichts Gescheites zustandekam und mein Leben nach wie vor ein chaotischer Trümmerhaufen war. Ich glaube es gab auch ein auslösendes Moment, eine “Freundschaft” stellte sich als etwas anderes heraus als ich gehofft habe. Ach ja, und ich hatte einen guten Job in Aussicht, das war ein Kick…Klar ist, wenn man viele Jahre in der Szene verbracht hat, hat man keine Ansprache oder Hilfe von “aussen” mehr. War nicht leicht…

Hast du Namen oder Details zu deiner Geschichte?

Ja, aber die gebe ich nicht preis! Erstens zu lange her, zweitens habe ich teilweise noch sporadischen persönlichen Kontakt, drittens ists eh nur bestenfalls die zweite Reihe der Psycho-Hökerer (es gibt weitaus Schlimmeres). Die Verführung des “Flow” kann bei entsprechender psychischer Disposition so stark sein, daß ich mich schwer tue, jemanden der der Versuchung erliegt namentlich an den Pranger zu stellen. Über die großen Gangster der Irrationalenszene finden man z.B. HIER Informationen. Dagegen war das was ich erlebte wahrscheinlich eher harmlos…

Bist du nachtragend?

Nicht den Swamis und Mas gegenüber, die ich damals getroffen habe. Es war nicht alles schlecht, viele abgefahrene Sachen die ich erlebt habe hätte ich in einem angepassten bürgerlichen Leben nicht erlebt. Es ist ein Frage der Verhältnismäßigkeit, bereuen tu ich nichts. Dennoch halte ich es für wichtig, solchen Machenschaften um der Allgemeinheit willen Paroli zu bieten. Das tue ich indem ich hier im Blog und anderswo gegen Irrationalitäten, zur Zeit besonders die “Alternativmedizin”, schreibe. Da bin ich nicht immer nett, und das ist gut so. Denn irgendwie, auch wenn ich keine Namen nenne, trifft es nie die Falschen. Beruhigend, oder?

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P.S.: Die Fragen habe ich mir natürlich selbst gestellt. Das merkt man doch, oder?

Hat ADS auch Vorteile?

auf der recht informativen und empfehlenswerten privaten Seite www.ads-bei-erwachsenen.de habe ich eine wie ich finde ziemlich vollständige Liste über die positiven Eigenschaften von ADS gefunden. Die Beschäftigung damit ist für jeden ADSler essentiell, die vielfach traurigen Erfahrungen von Ausgrenzung, Ablehnung etc. können nur mit positiven Ansätzen aufgearbeitet werden. “Ressourcenorientiert” nennt sich so eine Therapie bzw. Coaching.

o Interessante Persönlichkeit
- werden nie das Bild der “typischen Frau/ Mann/ Tochter/ Sohn/ etc” erfüllen
- entwickeln sehr schnell ihren ganz eigenen Stil
- vielschichtig
- Menschen mit Überraschungswert
- wandlungsfähig
- offen
- echt
- selbstbestimmt
- interessant
- aktiv
- beweglich
- anspruchsvoll

o Können überdurchschnittlich erfolgreich sein
- bei nötiger Struktur von außen zu ungewöhnlichen bzw. nicht erwarteten Leistungen
fähig
- Last- Minute- SpezialistInnen und Durchzieherqualitäten
- ehrgeizig
- autonom/ unabhängig
- schnell (nicht die Hypoaktiven)
- Hier-und-Jetzt begabt
- Multi- tasking- begabt

o starker Gerechtigkeitssinn
- vermehrte Treue in der Partnerschaft
- faires Verhalten
- Loyalität Freunde gegenüber
- nicht nachtragend

o Fürsorge für Schwächere
- empathisch
- “mütterlich”
- ein Herz für Außenseiter
- hilfsbereit
- sensibel (hören manchmal das Gras wachsen)

o Ungewöhnliche Kreativität in vielen Bereichen
- Einfalls- und ideenreich
- neugierig
- vielseitig interessiert
- phantasievoll

o Denken große Gedanken, träumen große Träume
- Potential für sehr große Ideen und Visionen, denn ADS’ler lernen schon von Kind an gegen
diese “unsichtbare Wand” anzukämpfen und Dinge zu machen, die anderen nur halb so
schwer fällt
- großes Potential an Kreativität und “Andersdenken”
- eine visionäre Vorstellungskraft
- können in ihrer Vorstellungswelt aus der kleinsten Ideen einen großen Durchbruch
machen
- können Zufallsbegegnung zu wunderschönen gemeinsamen Abenden machen
- leben von Träumen

o Fähigkeit zu unkonventionelle Lösungen
- ImprovisationskünstlerInnen
- fühlen sich meist nicht mehr an Normen gebunden
- innovativ
- Neuem gegenüber aufgeschlossen

o Spontan

o Gefühlsbetont

o Konzentrationsfähigkeit auf starke Interessen (Tunnelblick)

o Verhandlungsgeschick

o Rhetorisch und sprachliche Fähigkeiten

o Intelligenz
- oft Hochbegabung oder überdurchschnittliche Intelligenz

o Tierliebe
- hängt vermutlich mit der starken Emotionalität zusammen
- lieben alle Lebewesen, die “anders” sind

o Willensstark
- Oft wird unterschätz welch eine Willenskraft ADS’ler haben- weil man nicht sieht wie viel
Kraft hinter einem “ADS-Leben” steckt
- Leute mit ADS gedeihen am besten mit vielen Herausforderungen

o Geben gerne
- ADS’ler arbeiten oft für andere in einer Weise, wie sie nicht für sich selbst arbeiten
würden

o Mut zum Risiko
- ADS’ler gehen Risiken ein, solange sie die potentiellen Gefahren nicht unterschätzen kann
das eine Stärke bleiben
- gelegentlich verwegen (nicht unbedingt mutig, da bei manchen das Angsterleben fehlt)

o Erleben große Dinge
- ADS’ler suchen den Kick, dass Besondere. Denn nur besonders stimulierende Situationen
oder Reize gleichen ihre Aufmerksamkeits-Störung aus.

Diese Liste gibt es auch als Druckversion, bzw. Download (PDF) HIER

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Anmerkung:

Um der Idee, ADS sei so gesehen ja wohl eher eine Begabung als eine Beeinträchtigung vorzubeugen, sei gesagt, daß einige der positiven Eigenschaften sehr schnell ins Gegenteil umschlagen können. So wird “Gerechtigkeitssinn” und “Fürsorge für Schwächere” auch schon mal zu “engagiertem Mobbing”, Intelligenz zu sturer Ignoranz, Kreativität zu Einfallslosigkeit, je nach Laune und Situation (ich kenne das von mir selber). Das eigentliche Problem dabei sind hier nicht die Eigenschaften, sondern die ADS-bedingte Schwierigkeit zum Belohnungsaufschub und zur intrinsischen Motivation, Probleme, die Stinos so ausgeprägt nicht haben. Von körperlicher Getriebenheit (Hyperaktivität) ganz zu schweigen…

Selbsthilfe im Internet

Wenn ich von Zeit zu Zeit als Teilnehmer eine ADHS-Selbsthilfegruppe besuche, sei´s wegen meinem Sohn oder mir selber, ist da öfter mal ne Mami, die erzählt wie hilfreich bei der letzten Erkältung Globulis gewirkt haben oder was man sich vom Universum letztens gewünscht hat. Nun kann man zu derlei Hirnlosem was sagen, muss es aber nicht. Schliesslich hat jeder sowas wie ein Recht auf Debilität. Außerdem gehts in solchen Gruppen ja oft um echte Probleme, jedesmal eine Grundsatzdiskussion vom Zaun zu brechen ist dann Zeitverschwendung.

Weiterlesen

ADHS und ich…

Ich finde das Thema ADHS ist in der Blogosphäre unterrepräsentiert, zumindest private Initiativen Betroffener könnten etwas mehr sein. Reiner Eigennutz natürlich –> Hätte manchmal Lust auf kleine unverbindliche Kommunikation (ohne die Nachteile eines Forums in Kauf nehmen zu müssen, bin da etwas eigen).

Deshalb habe ich mir vorgenommen, nach und nach (private) Blogs zu verlinken, die ADS zum Thema haben (muss aber nicht das Hauptthema sein). Ich fang mal an mit einem neuentdeckten Blog am Bloggerhimmel:

http://neuerblog.adhs-und-ich.de/

P.S.: wer sonst noch Blogs kennt bitte im Kommentarteil posten oder per email an mich.

The OUT Campaign

Ich habe jetzt das Dawkins-Atheisten-A in meiner Sidebar. Die Out-Campaign ist eine Sache die ich unterstütze. Aufklärung tut not. Und wie!

image
Zitat:
…We can help others understand that atheists come in all shapes, sizes, colours and personalities…
.
Ja, es gibt sogar ADHS-ler, die nicht an Gott (Götter, Osterhasen, Weihnachtsmänner etc,), organisierte Religionen oder sonstiges Gedöns (z.B. Esoterik) glauben. Natürlich ist man da in der Minderheit einer Minderheit, aber damit muss man leben können….
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EDIT: nachträglich auch noch in die Sidebar übernommen: das Secular Web – Banner:

The Secular Web

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Schade:
Warum ADHS und Atheisten-Outing nicht gut zusammenpassen:
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Es ist zunächst auch mal so, dass bei Angelegenheiten, die die (dysfunktionale) Psyche betreffen das Thema Religion nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommt. In einem Fall kann sich das so äussern dass einer erzählt, wie er das Leid, mittel- und unmittelbar ausgelöst durch seine ADHS, durch Glauben und Gebete lindert. Und da gehen mir die Worte aus, soll ich sagen das ist “falsch”, nur weil ich das anders sehe?

Habe ich Angst davor, (wichtige) Solidarität versagt zu bekommen wenn ich mich als Atheist oute?

Eine Diskussion über Atheismus in einem ADS-Selbsthilfeforum (vor ein paar Monaten), in dem ich gnadenlos gemobbt wurde, hat mir gereicht. Das wird mir jetzt erst so richtig klar…

Vielleicht könnte das ja mal ein Thema sein für einen Beitrag zur Atheistischen Blogparade?

Thema: “Die therapeutische Seite des Glaubens” oder “Warum es (bekennende) atheistische ADSler doppelt schwer haben”

Vielleicht ist das alles aber auch weit weniger tragisch als ich es hier darstelle. Vielleicht bin ich einfach noch sauer über die Sache in jenem Forum (siehe 2 Sätze weiter oben)


Nicht ausgelastet

Heute wieder Therapiesitzung (Coaching) gehabt. Darüber gesprochen dass sich so verdammt wenig in meinem Leben tut und dass mich dieser Stillstand ziemlich frustet: was tun woran liegts blablabla…

Schliesslich habe ich vor 2 Jahren ja soooo große Fortschritte gemacht. Und jetzt hänge ich stundenweise vor der Glotze oder am PC oder beides gleichzeitig.

Meine Therapeutin meinte recht trocken, für jemanden in meinem Alter sei eine 70%-Beschäftigung (mein Job) einfach zuwenig, ich hätte einfach zuviel Zeit zum Grübeln und zum Totschlagen. Ich sei unterfordert und solle mir einen Nebenjob oder was weiss ich was suchen, die Zeiten in denen man einfach darauf warten könne, dass von Aussen etwas passiert was einen “rausreisst” seien vorbei.

Achja, und dass das ganz meine Aufgabe wäre und weder sie noch mein Sohn noch meine Freundin mir helfen könnten.

Auf der Heimfahrt im Zug habe ich realisiert, wie recht sie hat. Nun denn, auf gehts also!

ABER: Irgendwie sagt mir meine lange Erfahrung das wird nichts und das kann ich nicht! Und wenn ich mich in diese Aufgabe gedanklich reinstresse fühle ich mich alles andere als der Sache gewachsen. Was schliesslich folgende These bestätigt: Der Kampf gegen den “inneren Schweinehund” ist vor allem der Kampf gegen ein negatives Selbstbild.

Autsch :(

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Zeitmanagement

Nichts geht über einen geregelten Tagesablauf. Glaub ich jedenfalls. Es ist aber so, dass ich ohne meinen Beruf, der mir einen zeitlichen Rahmen vorsetzt, nur schwer in der Lage bin, mich selbst zu strukturieren. Zeitplantechnisch. Das führt dazu, dass ich mich in meiner Freizeit oft verliere, wie auch jetzt im Moment wo ich das schreibe. Internet ist pures Gift, wie ich an anderer Stelle auch schon bemerkt habe.

Um mal wieder einen kleinen Schritt nach vorn zu machen nehme ich mir ab sofort folgende Regeln vor:

Begrenzung meiner täglichen Online-Zeit auf maximal 1 Stunde! auf die Zeit von 8 Uhr bis 10 Uhr vormittags und abends auf maximal 1 Stunde.

(ich kann Beiträge für diesen Blog auch offline schrieben, zum Einfügen der Links und zum Surfen ist eine Stunde genug. Muss eben). Soll ein Anreiz zu Aufstehen sein ;)

KEIN Internet mehr nach Mitternacht 23 Uhr!

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So und jetzt mach ich dass ich mich auslogge. Genug jedenfalls für heute…

Upgedated am 16.03.08

wieder online

Ich bin gerade wieder online. Eigentlich war ichs die ganze Zeit, ich habe die letzten Wochen andernorts im Netz einiges zu den Themen Para- und Pseudomedizin gepostet. Auch ein spannendes und leider in der Öffentlichkeit allzuoft verharmlostes Thema. Ich komme irgendwann darauf zurück…

Zu mir: seit wenigen Tagen nehme ich wieder Medikamente. Das Aussetzen derselben hat mich trotz aller Bemühungen zurückgeworfen. Berufliche Pläne, finanzielle Erfordernisse (Ek.St.Erkl. 2005!) sowie ein bereits mühevoll jedoch nur kurzzeitig erreichter Standard in häuslicher Ordnung sind auf Null zurückgeschrumpft. Meine Therapeutin war in der letzten Sitzung auch nicht besonders nett zu mir. Und zum 173738509- tausendsten Mal realisiere ich: wenn nicht ich, wer dann, wenn nicht jetzt wann dann. Das alte Lied, der Kampf mit dem Willen. Naja, meine Aussetzphase ist vorbei und ich gehe davon aus, dass es wieder aufwärts geht. Zumindest dahin, wo ich vorher schon mal war. Jepp…

AD(H)S im Internet

Wer sich als Ahnungsloser im Internet über ADHS informieren will begibt sich möglicherweise auf unsicheres Terrain. Es gibt im Netz nunmal keine Qualitätskontrolle, und jedweder Ideologie, Sekte oder “alternativen Therapie” wird hier eine Plattform gestellt. Heilsversprechen wie z.B. ADS sei vollständig “korrigierbar” oder es käme nur auf die richtige Ernährung an sind dabei ebenso falsch wie schädlich. Sie suggerieren den Eltern betroffener Kinder sowohl ein falsches Bild über die biologischen Zusammenhänge wie über die für das jeweilige Kind/den Erwachsenen geeignetste Therapieform.

Ein leidiges und spannungsgeladenes Thema sind Medikamente:

“Fachleute”, die die medikamentöse Unterstützung einer Behandlung pauschal verwerfen und vor Gefahren warnen wo keine sind, sind keine Fachleute. Im Gegenteil: keine Ahnung!

Eine andere Sache zum Thema ADHS im Internet sind bestimmte Selbsthilfeforen, gegründet wohl in der ursprünglichen Absicht, ADS-lern Infos und Mut zu geben, leider aber oft inhaltlich gekippt, d.h. eine gewisse Toleranz gegenüber esoterischem Mistquark und anderen albernen “Theorien” ist durchaus gelegentlich feststellbar. Mir wird da nur schlecht (meistens) oder ich krieg hysterische Lachanfälle (seltener), je nachdem. Dazu brauchts oft auch eine hohe Schmerztoleranz wenn man liest wie Dilettanten moderieren. Alles in allem, naja, lassen wir das….Ich konzentrier mich lieber aufs Bloggen. Da bestimme ich selbst die Themen und derartige Hirnkrämpfe kommen mir nicht ins Haus…

Auch hier bestätigen Ausnahmen jedoch die Regel und man trifft auch in den schwurbeligsten Foren manchmal auf wahre ADS-Experten. Das beruhigt mich dann wieder etwas. Ausserdem sind nicht alle Moderatoren automatisch Dilettanten…

Zuletzt bearbeitet am 18.02.08