Religionspädagogen zerstören Träume

Ich habe in anderen Threads schon was zur “Münsinger Schule” berichtet. Das geplante Projekt, ein Internat für begabte Kinder mit ADHS, wäre ein Pilotprojekt geworden, mit wissenschaftlicher Evaluation und allem drum und dran. Vor allem wäre es aber für die Kinder dort eine einzigartige Möglichkeit gewesen, ihr Potential trotz ADHS zu entfalten.  Es gab Fachleute, ausgebildete Pädagogen, kurz – Experten zum Thema ADHS waren vorhanden! Klar, das Ganze stand von Anfang an finanziell auf wackeligen Füssen, war sogar schon fast vor dem Aus. Eltern und Mitarbeiter haben sich dann beineausreißendermaßen angestrengt, um zu retten was zu retten ist.

Schliesslich wurde ein Geldgeber gefunden, nämlich das umstrittene CJD, ein  Christenverein, der bundesweit mehrere Schulen betreibt und im Verbreiten dogmatischen Aberglaubens – “Kernkompetenz Religionspädagogik” – sein Selbstverständnis findet.

Und nun, wie befürchtet, das (Alb-Bote):

Schulkonzept wird nicht mehr umgesetzt

Münsingen Der Begriff “Münsinger Schule” steht für die Einrichtung und für das von der Esslinger Diplom-Psychologin und Diplom-Heilpädagogin Cordula Neuhaus entwickelte und hoch gelobte Konzept für Kinder mit ADHS. Es ist fraglich, ob davon überhaupt etwas übrig bleibt. Über den zukünftigen Ort der Schule (sie ist zurzeit in einem Ausweich-Quartier in Bremelau) wird verhandelt, inhaltlich hat ein Abschied anscheinend bereits stattgefunden. “Meine Konzeption wird in keinster Weise mehr umgesetzt. Darüber bin ich sehr traurig,” sagt Cordula Neuhaus. Gestrichen sei die pädagogisch-therapeutische Leitung, der Klassenrat, das Mentorat, die Supervision und die Tagesbetreuung durch Sozialpädagogen, ebenso seien Projekte weggebrochen. Es heißt, dass die jeweiligen Hausärzte über die Medikamentation entscheiden und diese während des Tages nicht mehr durch eine erfahrene Fachkraft überwacht wird. Cordula Neuhaus: “Von der gesamten Vorgehensweise muss ich mich leider distanzieren.” vau

Durch den Wegfall kompetenter Fachleute werden nun Stellen frei für Religionspädagogen und Vorbeter. Gutmenschentum ersetzt erfahrene Fachkompetenz. Das ist das Ende eines großen Traums. Ich bin stinksauer :evil:

Bild: Maren Beßler, Pixelio

Glauben vs. “Glauben”

Hugo Stamm  macht in seinem neuesten Blogeintrag eine wichtige Aussage zur sprachlichen Verwirrung, wenn es um den Begriff  “Glaube” geht. Bisher habe ich den Gebrauch dieses Wortes möglichst vermieden. Statt “ich glaube morgen scheint die Sonne” schrieb ich schon mal “ich denke/vermute morgen scheint die Sonne”. Schließlich wollte ich “genau”  sein und frömmelnde heimliche Mitleser meines Blogs nicht zu so Aussagen verleiten wie “Atheismus ist auch nur ein Glaube” und ähnliche Kurzdenk-Eskapaden.

Ja, auch ich glaube an vieles, denke aber weder religiös noch esoterisch.

Hugo Stamm schreibt:

[...]Die Krux zeigt sich schon darin, dass der Gebrauch des Begriffs zwei unterschiedliche Bedeutungen hat: Zwischen dem weltlich verstandenen Glauben und dem religiösen oder spirituellen klaffen Welten.

Zwei Beispiele sollen die Behauptung verdeutlichen:

1. Ich glaube, dass die Finanzkrise bald überwunden sein wird.

2. Ich glaube an Gott, Jahwe, Shiva oder Sai Baba.

Im weltliche Kontext wird allen sofort klar, dass es sich beim Glauben um eine Annahme, Vermutung oder Hypothese handelt. Oder gar nur um eine Hoffnung oder einen Wunsch. Es sind Projektionen, die Unsicherheit und Zweifel ausdrücken. Die subjektive Komponente ist klar erkennbar.

Bei der zweiten Aussage handelt es um eine radikal andere Form des Glaubens. Es wird eine Überzeugung ausgedrückt, die oft den Charakter eines Faktums erreicht. Letztlich geht es für die Betroffenen um die letzte Wahrheit, die – subjektiv gesehen – mit Glauben gar nichts mehr zu tun hat.

Die unterschiedliche Definition der beiden Begriffe führt zu einer sprachlichen Verwirrung, die auch das Bewusstsein unheilvoll beeinflussen kann. Man müsste also für den religiösen Glauben einen neuen Begriff erfinden[...]

Bild: berwis, pixelio

Nuhr die Wahrheit: im Iran gibt`s keine Migräne

Erst vor wenigen Wochen hatten wir (meine Freundin und ich) das Glück, Dieter Nuhr live auf der Bühne zu erleben. Das war superklasse, durchgehend witzig – lange nicht mehr so gelacht. Nuhr schafft es,  ernste und heikle Themen, wie etwa die Gewaltbereitschaft und Frauenfeindlichkeit fundamentalistischer Religionen (s. Video unten) oder die Skurrilität exotischer traditioneller “Medizin” (Bsp. hier) unterhaltsam und leicht-locker darzustellen. Der intelligente Humor und Wortwitz läßt dabei den mariobarth´schen Proll-Klamauk vieler seiner Kollegen alt aussehen.

Hier ein kurzer Ausschnitt seines aktuellen Programms “Nuhr die Wahrheit”, kam erst vor wenigen Tagen im ZDF (danke an Elke für den YouTube-Tipp).

Nuhr die Wahrheit: im Iran gibts kein Migräne

————————————————

Bild: nuhr.de

Religulous, Religion – 2 Filme, eine Meinung

———————————————————

  • 1.) Religulous:

Ein gar lustiger Film über Religion und Religioten, sollte ursprünglich letzten Herbst erscheinen, wurde verschoben, kommt jetzt aber doch – wenn´s wahr wird – in nicht mehr ganz 2 Wochen in unsere Kinos. Achter darf sich rühmen, den Trailer zum Film bereits im Juni 2008 gepostet zu haben. Guckstdu HIER

Einen  Artikel zu diesem Kinoerereignis geben auch Maxeiner & Miersch (Ein höllisch guter Film): “[...]Schade, dass viele Menschen auf der Welt diesen Film nicht sehen dürfen[...]“

——————————————————–

  • 2.) Religion:

Ein bei YouTube zensierter satirischer Werbefilm über Religion (steht aber wohl mit 1.) nicht in Verbindung). Ebenfalls lustig,  weniger aufwendig aber dafür mit wahrscheinlich satterem Beigeschmack. Da in der WordPress-Umsonst-Version nur das Einbetten von YouTube und GoogleVids erlaubt ist,  gibt es HIER leider nur den Direktlink. Ein MUSS für alle Fans kurzer polemischer Anti-Irrational-Meme! Strengst gläubige Christen, Muslime und andere sollten aber wegen drohendem Schaum-vor-dem-Mund Syndrom unbedingt auf diesen  kurzen filmischen Genuß verzichten.

———————————————————-

Religiopsychopathologie

Aus einem Bericht der SonntagAZ vom 01.03.09 -  “Wenn der Glaube krank macht”

[...]Der Glaube ist nicht automatisch gut fürs Seelenheil – im Gegenteil. Wissenschaftler fanden Indizien dafür, dass er das Wohlbefinden reduzieren und psychische Störungen wie Depressionen und Angstzustände verstärken könnte[...]

Gut daß der liebe Gott mich als Atheist erschaffen hat, so brauch ich die Hölle nicht zu fürchten…

[...]Krämer plädiert dafür, dass Spiritualität in der Behandlung psychischer Störungen künftig eine grössere Rolle spielen sollte. «Es ist wichtig, dass die behandelnden Ärzte in den Kliniken vermehrt ein Augenmerk darauf haben, wie Patienten mit der Religion umgehen. Sie müssen negative Gottesbilder identifizieren und darauf reagieren können»[...]

Das ist prinzipiell schon richtig, nur was wird ein todernster islamischer Fundi dazu sagen, wenn ein Psychiater ihm mit dem Hinweis auf ein “negatives Gottesbild” den Märtyrertod ausreden will?

—————————————————-

Wo Religion lauert, ist die Seele nicht weit

Hugo Stamm (Sekten-Blog) hat wieder mal einen für Sektoide, Esos und Religiöse schwer verdaulichen Brocken in die Blogosphäre geschmissen: Mythos Seele.

Auszug:

[...]Die Tatsache, dass die Seele weder identifiziert noch geortet werden kann, ist für Religionen ein grosses Unglück, aber auch eine Chance, wenn nicht gar ein Rettungsanker.

Zum Unglück: Wäre die Seele ein Organ, das wir isolieren, sezieren und analysieren könnten, wäre die Religion nicht eine Frage des Glaubens, sondern der Wissenschaft.

also:

Würden die Ärzte, Neurologen, Theologen oder Philosophen herausfinden, dass die Seele sterblich ist wie jedes andere Organ, müssten wir von der Vorstellung von einem Lebens nach dem Tod Abschied nehmen[...]

Worauf das rausläuft dürfte nach kurzem Überlegen klar sein – sofern das Hirn nicht vom Traum an das “Ewige Leben” getrübt ist: Gut für die Gläubigen, daß es die Seele nicht gibt, denn gäbe es sie, dann bräuchte man sie nicht!

—————————————————-

P.S.: Esoteriker bezeichnen ihr Äquivalent von “Seele” ofter mal mit Worthülsen wie “Kosmisches Bewußtsein” oder ähnlichem. Das ist jedoch das gleiche, nur anders “erklärt”.

Der Mensch stammt NICHT vom Affen ab!

Eine Behauptung macht den credomanen Kreationisten besonders viel Angst, nämlich die irrtümliche Aussage “Der Mensch stammt vom Affen ab!”

Für jene Debilphantasten aus der Religioten-Ecke gibts dazu eine gute und eine schlechte Nachricht:

Die Gute: Die Aussage “Der Mensch stammt vom Affen ab!” ist FALSCH!

Die Schlechte:  Schimpansen und Menschen haben gemeinsame Vorfahren, das Erbgut beider Arten ist zu 99% identisch. Niemand würde jedoch auf die Idee kommen zu sagen “Der Schimpanse stammt vom Affen ab!” oder? Nein, der Schimpanse IST ein Affe. Und der Mensch eben auch!


Weitere Irrtümer hier:  Was Darwin wirklich meinte, (via Brightsblog, auch Bildquelle)

———————————————————