ADHS – Vortrag von Russell A. Barkley

Russell A. Barkley, ein weltweit bekannter und renommierter Experte für ADHS, zeigt in einem sehenswerten Vortrag den Stand der Forschung (2008) auf. Sehr interessant für die, die schon etwas über ADHS wissen, bzw. sogar selbst betroffen sind.

Aber auch und vor allem interessant für die, die immer noch meinen, ADHS sei eine Folge schlechter Erziehung, zuviel Fernsehkonsum, mangelnder Liebe, eine Erfindung der Pharmamafia oder dergleichen. Nope, ist es nicht – ADHS ist biologischer Natur!

Leider ist der Vortrag (ca 80 min.) in englisch, aber doch einigermassen verständlich.

Direktlink zum Video

Pings an Elphaba, Tigger, Sunny ;)

Bildquelle: WebMD

Prokrastination

Prokrastination, die zweifelhafte Fähigkeit, zu erledigende Dinge bis zum Geht-nicht-mehr aufzuschieben, manchmal bis hart an die Existenzgrenze (Rechungen nicht bezahlen),  manchmal fast sogar drüber (Gerichtsvollzieher wird zum Dauergast).

Naja, ich kenne das zu Genüge, das fängt schon an bei der Überlegung, meinen randvollen Briefkasten zu öffnen und zu leeren, eine Überlegung, die dann doch wieder im Sande verläuft: –> erstmal Emails checken, dann sehn wer auf meinem Blog war (mehrmals am Tag!), und dann noch nebenher durch die Glotzekanäle zappen usw. usf…. Es gibt so verdammt viel Unwichtiges auf dieser Welt, man muss es nur tun…

(Video via Offensichtlich)

Spaß beiseite. Aufschieberitis IST ein Problem, oder, wie in meinem Fall, ein immer wieder auftretendes Symptom von ADHS. Das hat mit “Faulheit” nichts zu tun, auch wenn manche das gerne anders sehen würden…

Ein Zerlegen anstehender Aufgaben in kleine bis kleinste Teile hilft dem entgegenzusteuern. Den “Schweinehund” salamitaktisch austricksen sozusagen.  Das geht mit oder ohne Medikamente. Bei mir und vielen anderen ADHSlern leider aber fast nur mit…

MIST!

Aber wie heißt es so schön: “Nur wer nichts tut, macht auch nichts”, deswegen mach ich mir jetzt erstmal ´nen Kaffee. Auf ein Neues also!

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P.S.: Nachträglich und weil ich´s nicht lassen kann noch ein besonders reiz(!)volles Schmankerl für all die Anti-Pharma-Amokläufer die da denkbefreit im Netz rumschwirren (Achtung Weißglut!): Towards responsible use of cognitive enhancing drugs by the healthy! (PDF gefunden hier)

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Reise ins Hirn

Ein gutaufgelegter Vilayanur Ramachandran erklärt im März 2007 auf einer TED-Veranstaltung drei unterschiedliche neurologische Phänomene: das Capgras-Syndrom, den Phantomschmerz und die Synästhesie.

Ich habe selten einen so vergnüglichen wissenschaftlichen Vortrag gehört:

Von “Zank” keine Spur…

Zur Sendung

Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?

Habe die Sendung grad gesehen. Von “Zank” war keine Spur, auch bei Leuzinger-Bohleber ist mir nicht schlecht geworden. Viel mehr Konsens als Dissens, die “Fronten” waren weit weniger voneinander entfernt als sonst in den Medien.

Gut fand ich die Moderation von Frau Ruge, und zwar aus 2 Gründen:

Erstens wurde das Gespräch recht streng nach den Bereichen Symptomatik, Diagnose, Ursache, Behandlung etc. geführt, so konnte man einiges über ADHS erfahren, ohne sich vorschnell im Reizthema Medikamente festzubeissen.
Zweitens war Frau Ruge die perfekte Ahnungslose, die die Fragen abgelesen hat (peinlich die Aussage Atomoxetin sei ja gar kein Psychopharmakon). Jeder, der sich zum ersten Mal informieren will konnte sich mit ihr identifizieren.

Insgesamt hat diese Sendung einen sehr hohen Informationsgehalt, gerade für verunsicherte Eltern, deren Kinder gerade in der Abklärung/Diagnose stehen…

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Man  könnte jetzt noch ausführlicher darstellen wer was gesagt hat, aber das ist dann, wenn überhaupt, etwas für den Kommentarteil. Ich finde die Sendung spricht für sich…

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Nachtrag: sunny empfiehlt zum Anschauen sogar Brezeln, Chips & Co. bereitzustellen…


ADHS in den Medien: Zank um das Zappelphilipp-Syndrom

TV-Tipp (Phoenix), hier gefunden:

Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?

Zappelphilipp, Wackelpeter, Traumsuse – sie sind anders als andere Kinder. Sie können nicht stillsitzen, nicht aufmerksam sein, sie stören im Unterricht, sind unruhig, rasen manchmal vor Wut oder träumen nur vor sich hin. Diagnose: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, kurz: ADHS. Nach Schätzungen sollen etwa 300.000 bis 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen sein. Doch über ADHS besteht eine der größten Kontroversen in der Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Meinungen gehen weit auseinander. Ist ADHS eine Hirnfunktionsstörung, die medikamentös behandelt werden muss? Oder wird kindliches Verhalten pathologisiert? Was sind die Ursachen? Gibt es eine genetische Veranlagung? Und welche Rolle spielen soziale Faktoren und Umweltbedingungen? In den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Hyperaktivitätsdiagnosen sprunghaft an. Wie schwer ist eine genaue Diagnose? Werden Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern oft vorschnell als ADHS bezeichnet? Wo ist die Grenze zwischen gesund und krank? Wie sieht der Alltag mit einem ADHS-kranken Kind aus? Wie kann Kindern, Eltern und Lehrern am besten geholfen werden? Die Verschreibungen von entsprechenden Medikamenten gegen ADHS steigen sprunghaft an. Was ist die erfolgreichste Therapie: Medikation, Verhaltenstherapie oder Erziehung?

Diese und weitere Fragen diskutiert Nina Ruge im WissenschaftsFORUM Petersberg mit ihren Gästen: Prof. Gerd Lehmkuhl (Direktor Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Uni Köln), Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber (Direktorin Sigmund-Freud-Institut Frankfurt), Dr. Myriam Menter (Vorsitzende ADHS Deutschland e.V.), Dr. Hans-Joachim Weber (Medizinischer Direktor Lilly Deutschland).

WissenschaftsFORUM Petersberg (PHOENIX): “Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?”, Sonntag, 23. November, 22.30 Uhr, Wiederholung: Sonntag, 30. November, 13.00 Uhr

Quelle: PM Phoenix vom 10.10.2008

Also ich will mir das unbedingt anschauen, zwar wird mir bei der Leuzinger-Bohleber mal wieder schlecht werden (ADHS ist nunmal kein Thema für Psychoanalyse), aber da muss ich  dann  wohl durch. Kontrovers ist das Thema  allemal,  auch für mich,  obwohl ich nicht richtig “funktioniere” fühle ich mich nicht “krank”, nur anders. Spannend…

Bericht folgt nach der Sendung.

Das unbeschriebene Blatt

–> Angeregt durch einen Beitrag des fdog-Blogs ;)

Ich habe vor etwa 2 Jahren ein unglaublich bemerkenswertes Buch gelesen. Das Buch heißt “Das unbeschriebene Blatt” und ist vom Psychologie-Professor Steven Pinker. Dazu habe ich auch auf meinem alten, nicht mehr existenten Blog eine Rezension gepostet, die aber so schlecht ist, daß ich sie hier nicht nochmal bringe.

Daher nur kurz: Keine Rezension wird dem Buchthema, dem Schreibstil und der Intelligenz des Autors wirklich gerecht. Dieses Buch ist für mich eines der besten Bücher ever, vor allem auch aus Sicht eines ADHSlers, der die (biologischen) Grenzen seiner Funktionalität kennt, sich aber immer an Stinos und ihrer Überzeugung reibt, der menschliche Charakter sei ausschließlich ein Produkt seiner Umwelt oder Erziehung. Pinker räumt wohlfundiert und -recherchiert mit dieser veralteten und falschen Vorstellung auf, sprachlich flüssig (die gut 700 Seiten, einschl. Register, gehen runter wie Butter).

Es ist aber kein ADHS-Buch, es ist ein Buch für alle!

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P.S.: stöbert man bei z.B. amazon nach weiteren Büchern von Steven Pinker, könnte man grad gierig werden. Am besten alle lesen!

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Es wird hirnlose Ideologien geben…

Folgende Antwort auf die Frage Woran glauben Sie, ohne es beweisen zu können? habe ich im Netz gefunden, gegeben vom Professor für Neuroethik Thomas Metzinger Anfang 2005:

Thomas Metzinger: Es wird hirnlose Ideologien geben

“Ich glaube, daß binnen fünfzig Jahren ein Durchbruch bei der Erklärung des Bewußtseins gelingen wird. Es wird dann fundamentalistische Widerstandsbewegungen gegen das wissenschaftliche Bild vom Menschen geben. Gleichzeitig werden neue Ideologien entstehen, die vulgäre Formen des Materalismus und primitiven Hedonismus predigen.

Spätestens dann werden Wissenschaftler einsehen, daß sie nicht einfach reduktionistische Erklärungen des Geistes in die Welt setzen und die Bewältigung der Folgen anderen überlassen können. Es wird Bewußtseinstechnologien geben, die mit wachsender Perfektion eine Einflußnahme auf neuronale Korrelate erlauben. Für diese neuen Technologien brauchen wir eine neue angewandte Ethik und eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage, was eigentlich einen „wünschenswerten“ Bewußtseinszustand ausmacht.”

Der Autor lehrt Philosophie in Mainz.

(übrigens finde ich auch die Antworten der anderen Köpfe auf obige Frage durchaus interessant)

Niemand ist frei

ZEIT-online, via 475 Dinge

Ein Gespräch mit dem Gehirnforscher Gerhard Roth über schwierige Entscheidungen, den freien Willen und warum Menschen ihr Verhalten nur schwer ändern können

(…)

Roth: Die Entscheidung zwischen Aufstehen und Liegenbleiben ist natürlich ein Kampf. Wie schwer der ist, bedingen zum größeren Teil die Gene und das Temperament, zum kleineren die Erfahrungen. Es gibt Menschen, die trainieren jahrelang das Frühaufstehen, aber ohne großen Erfolg.

(…)

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Jepp. Wem sagt er das…

Neues vom Hirn

Hirnscans belegen, daß wir das sehen, was wir sehen wollen. Eine Binsenweisheit, die durch Ergebnisse der Vanderbilt University in Nashville, USA bestätigt wurde (Quelle: SPON):

Einbildung beeinflusst das Sehen

Bilder vor dem geistigen Auge beschränken sich nicht nur auf die Phantasie – sie können auch ganz real verändern, was man sieht. Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals experimentell bewiesen, dass die Vorstellung das Sehen direkt beeinflusst.

Das geistige Auge trägt seinen Namen nicht umsonst. Schon lange ist bekannt, dass machtvolle Sinneseindrücke oder psychische Zustände das Sehen beeinflussen können. Wer etwa in seiner Küche Ungeziefer entdeckt, sieht plötzlich in jedem Staubfetzen einen kleinen Widerling. Wer im Dunkeln Angstattacken hat, erkennt hinter jedem Strauch ein Raubtier.

Jetzt aber hat ein Experiment ergeben, dass es schon ausreicht, sich einmal etwas vorzustellen – und schon hinterlässt es Spuren in der visuellen Wahrnehmung der Umwelt.

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Damit bestätigt sich, was Skeptiker und andere Nicht-Leichtgläubige schon immer wußten: die Kobolde im Garten, Feen und sonstige Geister existieren in Wirklichkeit im Kopf des Betrachters…

„Das Ich – eine virtuelle Murmel“

Ein interessantes Interview des Focus-Online mit Douglas Hofstadter über die Illusion des Bewußtseins. Unter anderem schreibt er auch über die Übertragbarkeit von Information von Gehirn zu Gehirn und die damit verbundene Vernetzung, hier ein kurzer Auszug des ebenfalls sehr kurzen Interviews:

(…)Die „Seele“, das „Ich“, das „Selbst“ oder das „Bewusstsein“ – das sind für mich austauschbare Begriffe. Ich verstehe die Seele als komplexes Muster, das aus der Mikromaschinerie – Nervenzellen, Synapsen – des Gehirns erwächst, so wie ein Mosaik aus kleinen Bausteinen entsteht. Und genau so, wie man ein gleiches Mosaik aus anderen Steinen zusammenlegen kann, lassen sich diese Muster in anderen Gehirnen rekonstruieren. Meistens spuken die Seelen anderer Personen in niedriger Auflösung in unseren Köpfen herum, doch manchmal erreichen sie fast den Körnungsgrad des Originals.(…)

Das würde bedeuten, das “ich” gar nicht so sehr “ich” bin als eher ein zusammengewürfelter Haufen anderer “Ichse”, in meinem Gehirn mehr oder weniger stark und einflussreich vorhanden. Ein Aspekt der Memetik ohne den Begriff Memetik gut erklärt!?