Ich habe mich schon öfter mal gefragt, welches Bild ich von mir selber haben würde, wenn ich nicht wüßte wer ich bin und meinen Blog lese. Es gilt als absolut sicher, daß das was ich von mir selber preisgebe, oder die Themen die mich interessieren nur ein Teil von dem ist/sind, was mich als Person ausmacht. “Niemand” weiß wie ich aussehe, und es weiss auch “niemand”, daß mir mein Job und die Menschen darin oft sehr viel Spass machen, daß ich über Witze herzhaft lachen kann und bei manchen Filmen heule. “Niemand” hat eine Ahnung von mir…
Der Verdacht liegt nun nahe, daß ich, wenn ich nicht wüßte wer ich bin und meinen Blog lese, vielleicht denken würde ich wäre immer todernst, frustriert und unglücklich (solche Mutmaßungen wurden tatsächlich über mich schon geäußert, sinngemäß). Das trifft zwar manchmal auch zu, aber eben nicht immer. Oft schreibe ich einen Beitrag, weil mich etwas geärgert hat, daher der nicht unerhebliche Anteil Frustbeiträge hier. Ja, und wenn´s mir im realen Leben gut geht habe ich weniger Ideen was ich schreiben könnte (wie heute zum Beispiel) und schreibe weniger bis nichts (was zu eben dieser Verzerrung meines “Bildes” führt). Oder ich popel mir die Themen aus der Nase oder schau in meinen Feedreader und finde zum Beispiel einen Eintrag in Katja Schwabs Psychologie-Blog mit dem für heute, jetzt und diesen meinen Eintrag passenden Zitat:
[...]Es gibt immer mehr Menschen, die ihre Erfahrungen nicht nur ihrem besten Freund erzählen, sondern auch der digitalen Öffentlichkeit mitteilen. Ob offline oder online, der Leser wird die Textschnipsel eher auf die Persönlichkeit des Autors als auf die Umstände zurückführen. Mit schlechter Laune am Morgen sollte man sich einen Blogbeitrag zweimal durchlesen bevor man ihn mit einem lustlosen Klick in die öffentliche Wahrnehmung befördert. Denn der Leser wird hinter einem wütenden Kommentar eher eine wütende Persönlichkeit vermuten als die Schuld für den Ärger in den kleinen Widrigkeiten des Lebens zu suchen.[...]
Ich denke, ich wäre auch ganz schön überrascht, wenn ich euch, liebe Mitblogger, live erleben würde, überrascht über den Unterschied zwischen meinem Urteil über euch und euch selber. Aber diese Erkenntnis ist wiederum banal…