Wo Candymountain draufsteht ist nicht immer Candymountain drin. Drum glaubt nicht alles was man euch erzählt, selbst wenn das kleine Einhorn indigofarben ist (via FVB)
Es gibt heute noch welche: “Mas” und “Swamis”, die im Namen ihres “Meisters” Gutes vollbringen wie z.B. Horoskope lesen, Meditationen leiten oder mit mehr oder minder albernen Techniken menschliches “Bewußtsein” fördern; sei es mit Tantra, Bioenergetik, die Heilkraft der Kristalle, keine auch nur denkbare Pseudopsychoheiltechnik wird verschmäht. Viele hoffen vielleicht auch, daß “Osho”(gest. 1990) irgendwie bei der Anwendung dieser Methoden sozusagen ätherisch mitwirkt. Die Grüne Barbara Rütting alias Ma Anand Taruna nennt Osho den “größten Therapeuten” des Jahrhunderts (Wikipedia), ob´s bei ihr was genützt hat weiß sie selber sicher am Besten…
Von Osho´s Beitrag für die Verbreitung von Eso-Geschwurbel aller Art und seiner Rolle im unsäglichen Oregon-Experiment mal abgesehen war dieser Mann schon ein Phänomen: Selten hat jemand so deutlich Tabus gebrochen, die Religionen beleidigt (evangelischen Sektenbeauftragten stand öfters mal der Schaum vor dem Mund); als “Sex-Guru” griff er die herrschende Moral an, mal mehr mal weniger. Niemand war vor ihm wirklich sicher.
Ausserordentlich belesen wie er war machte er auch vor Philosophen und anderen historischen Denkern nicht halt. Sein inhaltliches Markenzeichen war der Widerspruch und eine deutliche Haltung gegen Dogmen aller Art, außer vielleicht dem Dogma “Ich Meister-Ihr Schüler”. Er sah sich in einer Linie mit Lao Tse, Buddha, Sokrates und Jesus. Legendär sein Spruch “Be A Joke Onto Yourself” (Sei dir selbst ein Witz). Er war mehr Entertainer als Guru, machte sich über Gott und die Welt, sich selbst, und wohl nicht zuletzt über die Blödheit seiner Jünger (einschl. mir) lustig.
Der in seiner Blütezeit leidenschaftliche Rolls-Royce-Sammler (über 90 Stück) ist nun seit fast 18 Jahren tot und auch mir hats irgendwann gereicht. Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt seines durchaus bemerkenswerten Schaffens:
Heute vor einem Jahr starb einer der ausgeflipptesten Quergeister und Freidenker des letzten Jahrhunderts, Robert Anton Wilson. Für mich war dieser Mann ein Genie, viele Jahre lang eine Art virtueller Guru, der mich lehrte daß auch ich im Prinzip fähig bin, mir jedes x-beliebige Dogma anzueignen nur um dieses, sobald es sich bewahrheitet hat wieder zu verwerfen und dann das genaue Gegenteil zu tun.
Richtig verstanden war/ist Wilsons literarischer Geist und Philosophie eine Befreiung, eine Immunisierung gegen jeden Glauben und auch gegen jeden als Wissen getarnten Glauben (auch wenn ich einige seiner Ideen doch zuuu durchgeknallt finde).
“Cosmic Trigger”, “Der Neue Prometheus” oder die “Schrödingers Katze-Trilogie” waren/sind Bücher, die mir in den 80er und bis hinein in die 90er Jahre mein Realitätsverständnis abwechselnd erweitert und dann aber wieder in Frage gestellt haben (nicht nur die Bücher *g*)
Einen ausgezeichneten und lesenswerten Aufsatz zum oft mißverstandenen Einfluß R.A.W.´s hierzulande habe ich im Internet gefunden (v. Daniel Kulla): (klick)
Und daraus eines der schönsten und wilsontypischsten Zitate, zum ausdrucken und einrahmen:
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»Gerade dem marxistischen Realitätstunnel entschlüpft, schwor ich Hingabe an die Prinzipien des Individualismus, des freien Denkens und des Agnostizismus. Von jetzt ab, sagte ich mir, werde ich mich nicht mehr von Gruppen hypnotisieren lassen: er werde selbst denken. Natürlich verbrachte ich die folgenden 20 Jahre damit, verschiedenen politischen und intellektuellen Moden zu folgen, immer in der Überzeugung, dass ich zu guter Letzt der Gruppenkonditionierung entkommen war und begonnen hatte, ›wirklich‹ selbst zu denken. Ich bewegte mich vom Agnostizismus wieder zurück zum dogmatischen Atheismus und dann zum Buddhismus; ich sprang vom Existenzialismus zum Aktivismus der Neuen Linken und zum Mystizismus des New Age und zurück zum Agnostizismus. Das Karussell drehte sich immer weiter, und ich kriegte erst raus, wie ich anhalten und aussteigen könnte, als ich auf die 40 zuging und so viel Acid genommen hatte, dass mir nur die Wahl blieb, entweder wirklich selbst zu denken oder durchzudrehen.«