Heinrich H., Chaot und Tagträumer

“Da der Heinrich … in ungeregelter Tätigkeit und leichtsinniger Vergeßlichkeit fortlebt, überhaupt nicht im Stande ist, seine Betriebsamkeit nach eigenem freien Willen auf eine vernünftige und zweckmäßige Weise zu regeln, und im Verfolg dieser Regellosigkeit, die Schande für seine Eltern, der größte Nachteil für ihn selbst zu gewärtigen ist, so will ich ihn hiermit nochmals die Pflicht ans Herz legen … zum geregelten Fleiß, zur vernünftigen Einteilung seiner Zeit zurückzukehren … In der Besorgnis, daß auch diese Ermahnung nichts helfen wird, und in dem festen Willen, wenigstens die bevorstehende letzte Ferienwoche nicht in tagdiebischem Schlendrian zugebracht zu sehen, befehle ich folgende Einteilung der Zeit:…” (Es folgt der Zeitplan.)

So der Vater von Heinrich Hoffmann über seinen Sohn, der später als Psychiater und Autor des “Struwwelpeter” berühmt wurde. Hoffmann, womöglich selbst betroffen, hat einige Symptome von ADHS ziemlich treffend beschrieben (Zappelphilipp=Hyperaktivität, Hans Guck-In-Die-Luft=exzessives Tagträumen)

Der (indirekte) Namensgeber des “Zappelphilipp-Syndroms” – ein völlig bescheuertes und irreführendes Unwort wie ich finde – hat hier auf meinem Blog wenigstens mal eine Erwähnung verdient ;)

P.S.: Meine Großmutter meinte zu mir als Kind desöfteren, ich würde noch meinen Kopf vergessen, wenn der nicht angewachsen wäre…

Bildquellen: Wikipedia, Projekt Gutenberg (SpON)

Mein Lesewunsch demnächst: Neuropsychotherapie der ADHS

In jahrzehntelanger Arbeit mit ADHS-Kindern und ihren Familien hat sich gezeigt, dass häufig auch ein Elternteil von ADHS betroffen ist. Das heißt, er selbst läuft Gefahr, zu impulsiv zu reagieren, nicht richtig zuzuhören, vergesslich zu sein. Im Elterntraining ETKJ ADHS wird den Eltern durch umfassende Vermittlung der neurobiologischen Hintergründe ein Verstehen der anderen Funktionsweise bei ADHS möglich.

Therapeuten, Psychologen und Pädagogen können mit diesem verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Manual Eltern dazu befähigen, krisenhafte Zuspitzungen schon im Vorfeld zu erkennen und rasch beizulegen.

So die Produktbeschreibung eines in den nächsten Wochen erscheinenden Fachbuches zum Thema ADHS.

Wie man es schafft – oder auch nicht – als selbstbetroffenes Elternteil seinem Kind Strukturen beizubringen ist für mich ein sehr zentrales Thema und eine meiner größten Frustquellen. In dieser Aufgabe zeigt sich die behindernde Seite auch meiner eigenen ADHS am deutlichsten und am schmerzlichsten.  Allein als Tippgeber dafür möge sich das Buch lohnen (auch wenn es sich mehr an Fachleute richtet, das ist mir aber wurscht)

Die federführende Autorin Cordula Neuhaus ist eine erfahrene und ausgezeichnete Expertin in Sachen ADHS, Therapie, Erziehung etc…

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Privates Gymnasium Esslingen

In einigen ADHSlern steckt ein kluges Gehirn. IQ´s von >125 oder >130 sind durchaus möglich (auch OHNE Ritalin wohlgemerkt!). Aufgrund von neurologisch bedingten Konzentrationsschwierigkeiten und anderem Symptomkram bleibt dieses Potential häufig ungenutzt.  Menschen wie beispielsweise Hermann Hesse sind große Ausnahmen in Potentialentfaltung, die meisten fristen undiagnostiziert und unbehandelt ein Dasein als Underachiever oder gehen gar ganz vor die Hunde.

Hoch- bzw. überdurchschnittlich begabte ADHSler sind häufig doppelt gestraft,  durch ihr Verpeiltsein UND durch ihre hohe Intelligenz, beides für ein “normales” Sozialleben nicht gerade förderlich.

Nun gibt es bei Stuttgart gleich zwei Projekte, die sich Kindern mit diesem Thema widmen, einmal die Münsinger Schule, ein Internat auf der schwäbischen Alb (ich habe hier und hier was dazu geschrieben) und das Private Gymnasium Esslingen (PGE). Um letzteres gehts hier.

Man lese  und staune:

Das Private Gymnasium Esslingen versteht sich als Modellschule. Nach unserem Kenntnisstand gab es bisher noch keine vergleichbare Schule, die sich ausschließich der Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit ADHS gewidmet hat.

[...]Im Rahmen einer umfangreichen wissenschaftlichen Evaluation soll baldmöglichst in Zusammenarbeit mit renommierten Fachwissenschaftlern aus den Bereichen der Psychologie und der Fachdidaktik damit begonnen werden, unser pädagogisches Konzept auf seine Wirksamkeit hin zu untersuchen.

Wir wollen mithelfen zu erforschen, wie eine möglichst optimale Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS aussehen kann.

Leider wird diese Schule, solange sie die Einzige dieser Art bleibt, für viele betroffene Kids ein Traum bleiben, sie ist schlicht zu klein. Aber wer weiß, vielleicht macht diese Schule ja Schule….

Link zum PGE gefunden auf Duke´s Blog (Duke=Hund von Sylvia)

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Anmerkung: längst nicht alle ADHSler sind hochbegabt. In der Tat sind hochbegabte ADHSler auch unter “ihresgleichen” eine Minderheit.

Anthroposophie

Anläßlich des in Kürze erscheinenden “Schwarzbuch Waldorf” (via Brightsblog) komm ich auf ein Thema welches mir schon länger eine Herzensangelegenheit ist, handelt es sich dabei doch um die größte und etablierteste esoterisch-okkulte Gruppe in Deutschland: Die Anthropoppies!

Für den einen oder anderen meiner Blogbesucher der fälschlicherweise glaubt, Waldorfpädagogik sei eine echte Alternative zu gegenwärtigen Bildungsmisere gibts als Einstieg ein paar informative Links:

Der Blog Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie sei wärmstens empfohlen, jeder Artikel für sich ist ein Zeugnis von Steiner´s Wahnwelt und deren heutigen Apologeten. Der aktuelle Artikel Kindesmisshandlung und Terror-PR sei dabei besonders an´s Herz gelegt…

Auch im Esowatch-Blog gibts Artikel.

Eine bekannte Eigenart anthroposophischer Lebens-”Kunst” ist ausserdem der Umgang mit Kritik.

Ganz zu schweigen von anthroposophischer Quacksalberei.

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Und das ist noch längst nicht alles!

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Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung in der brandneu eingerichteten Blog-Kategorie

Anthroposophie!

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Wer schützt die Kinder vor schlechten Journalisten?

Es nervt.

Wieder mal ist es mir nicht gelungen, einen Artikel über Ritalin zu ignorieren, der, wie so häufig, schlecht recherchiert, polemisch und voller Unterstellungen und Spekulationen ist und dabei die Grenze zum Zynismus gegenüber ADHS-betroffenen Kindern und deren Eltern weit überschreitet.

Und wieder muß ich mir die undankbare Mühe machen, Aussagen wie: “Allesamt Arzneien, die gewiss nie ohne Nebenwirkungen daherkommt, aber möglicherweise überhaupt keine therapeutische Wirkung haben.” richtigzustellen: Der Verweis auf die 3-Jahres Follow-Up MTA Studie ist nun wirklich ein alter Hut, besagt diese Studie doch bei Licht betrachtet nichts anderes, als das auf längere Sicht verhaltenstherapeutische Maßnahmen ebenso effizient sind wie eine Behandlung mit Methylphenidat (wobei klar sein dürfte, daß ein Schulkind angesichts unseres Bildungssystems diese “längere Sicht” eben nicht hat). HIER eine Zusammenfassung mitsamt den Konsequenzen die sich aus dieser Studie ergeben. Von einer möglichen therapeutischen Unwirksamkeit steht da kein Wort. Peter Artmann, der Autor jenes polemischen Drecksartikels sollte sich besser mit der Materie befassen, über die er schreibt.

Und dann solche Formulierungen: “In jüngster Zeit gab es häufiger Spekulationen, dass…” Ja genau, da ist er wenigstens ehrlich. Spekulationen! Wer hätte das gedacht…

Unterschubladige desinformierende Begriffe wie “chemische Peitsche” und “Zwangsabhängigkeit durch Psychostimulanzien” runden den Matsch insgesamt dann ab. Bildzeitung war gestern!

Es gäbe noch mehr dazu zu sagen, vielleicht ergänze ich diesen Artikel später noch. Momentan habe ich keine Zeit mehr zum schreiben denn ich muss mein Kind verprügeln, das Ritalin ist aus…

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P.S.: Eine Fülle fundierter Infos über Methylphenidat und die medikamentöse Therapie bei ADHS gibt es zum Beispiel hier und hier

P.P.S.: Artmann schreibt bei scienceblogs.de, ein normalerweise tolles Portal mit durchaus lesenswerten Artikeln. Allerdings schrauben Leute wie er das dortige Gesamtniveau nach unten. So führt sein Lobgehudel auf die Vorzüge exotischer Quacksalbereien mitsamt seinem pauschal betriebenen Ärzte-Hass  auch zu interner Kritik.

Beitrag editiert 5.8., Achter

nicht massgefertigt

ein Blog über Hochbegabung bei Kindern. Mit vielen Tipps, Angeboten, Terminen. Ausserdem geht es auch um “verwandte” Themen wie ADHS oder Autismus. Toll! Keineswegs einseitig; und ausgestattet mit zahlreichen weiterführenden Links zum Thema Hochbegabung und den damit verbundenen Schwierigkeiten und Erfordernissen. Ich möchte hiermit ausdrücklich für dieses Blog werben (hier der Link):

http://nichtmassgefertigt.wordpress.com/

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Armut ist Gift für das frühkindliche Gehirn

Man wird wohl nie so richtig die Grenze/Schnittmenge rausfinden darüber welche Anteile unserer Persönlichkeit angeboren/ererbt und welche umweltbedingt sind:

US-Wissenschaftler: Armut ist Gift für das frühkindliche Gehirn

Armut schädigt das Gehirn von Kleinkindern. Das fanden amerikanische Neurologen heraus, die ihre Arbeit kürzlich bei einer Wissenschaftlertagung in Boston vorstellten.

HIER WEITERLESEN…