ADS und Zeit

Jemand sagte mal: „Zeit ist das Ding, das alles davon abhält, zugleich zu passieren.“ Zeit stückelt Momente in kleine Teilchen, so dass wir eine Sache nur zu einem bestimmten Zeitpunkt tun können. Bei ADS kollabiert die Zeit. Zeit wird ein schwarzes Loch. Für eine ADS-Person ist es, als ob alles zugleich geschieht. Dies schaffe ein Gefühl des inneren Tumults oder sogar der Panik. Das Individuum verliert die Perspektive und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Vielfach sind diese Leute hoch intuitiv und vorstellungsbegabt. Sie haben ein „Gefühl“ für Dinge, eine Art, die Ursache von Dingen sofort verstehen zu können, während andere ihren Weg auf methodische Art durchdenken müssen. Es ist wichtig für andere, gegenüber diesem „sechsten Sinn“, den viele ADSler haben, sensibel zu sein und ihn zu bemuttern. ADS ist eine Lebensgestaltung und bis vor kurzem war es versteckt, auch vor denen die es haben. Das menschliche Erleben von ADS ist mehr als eine Sammlung von Symptomen: ADS ist eine Art zu leben.

“Jemand sagte mal”, dieser “Jemand” war J.A. Wheeler,  das  ganze Zitat ist von Edward M. Hallowell, copied und pasted aus Wikipedia und gefunden auf diesem gar lustigen Blog.

Und mehr über Zeit im Allgemeinen und Besonderen gibts HIER.


ADHS in den Medien: Zank um das Zappelphilipp-Syndrom

TV-Tipp (Phoenix), hier gefunden:

Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?

Zappelphilipp, Wackelpeter, Traumsuse – sie sind anders als andere Kinder. Sie können nicht stillsitzen, nicht aufmerksam sein, sie stören im Unterricht, sind unruhig, rasen manchmal vor Wut oder träumen nur vor sich hin. Diagnose: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, kurz: ADHS. Nach Schätzungen sollen etwa 300.000 bis 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen sein. Doch über ADHS besteht eine der größten Kontroversen in der Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Meinungen gehen weit auseinander. Ist ADHS eine Hirnfunktionsstörung, die medikamentös behandelt werden muss? Oder wird kindliches Verhalten pathologisiert? Was sind die Ursachen? Gibt es eine genetische Veranlagung? Und welche Rolle spielen soziale Faktoren und Umweltbedingungen? In den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Hyperaktivitätsdiagnosen sprunghaft an. Wie schwer ist eine genaue Diagnose? Werden Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern oft vorschnell als ADHS bezeichnet? Wo ist die Grenze zwischen gesund und krank? Wie sieht der Alltag mit einem ADHS-kranken Kind aus? Wie kann Kindern, Eltern und Lehrern am besten geholfen werden? Die Verschreibungen von entsprechenden Medikamenten gegen ADHS steigen sprunghaft an. Was ist die erfolgreichste Therapie: Medikation, Verhaltenstherapie oder Erziehung?

Diese und weitere Fragen diskutiert Nina Ruge im WissenschaftsFORUM Petersberg mit ihren Gästen: Prof. Gerd Lehmkuhl (Direktor Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Uni Köln), Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber (Direktorin Sigmund-Freud-Institut Frankfurt), Dr. Myriam Menter (Vorsitzende ADHS Deutschland e.V.), Dr. Hans-Joachim Weber (Medizinischer Direktor Lilly Deutschland).

WissenschaftsFORUM Petersberg (PHOENIX): “Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?”, Sonntag, 23. November, 22.30 Uhr, Wiederholung: Sonntag, 30. November, 13.00 Uhr

Quelle: PM Phoenix vom 10.10.2008

Also ich will mir das unbedingt anschauen, zwar wird mir bei der Leuzinger-Bohleber mal wieder schlecht werden (ADHS ist nunmal kein Thema für Psychoanalyse), aber da muss ich  dann  wohl durch. Kontrovers ist das Thema  allemal,  auch für mich,  obwohl ich nicht richtig “funktioniere” fühle ich mich nicht “krank”, nur anders. Spannend…

Bericht folgt nach der Sendung.

Rentner-Ritalin und ADS-online

Aus Zeit und Lustmangel nur zwei verlinkte Meldungen, Kommentare dazu kommen später (oder auch nicht):

Kinder-Medikament Ritalin schützt auch Senioren (Magazin 60 pro)

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ADHS-Patienten flüchten gern in Online-Welten (m&c)

Für die Medienwelt sind Jugendliche mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS besonders empfänglich. Deshalb sind sie nach Ansicht von Experten überdurchschnittlich gefährdet dafür, sich in eine virtuelle Welt zu flüchten und das reale Leben zu vernachlässigen.(…)

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Beide Links via Salutaris

Zappelphilipp und Traumsuse bei Spiegel-TV (VOX), heute um 22.15

Schon seit längerem in diversen Foren und auf Martin Winkler`s Blog angekündigt und hoffnungsvoll erwartet, eine Sendung über ADHS ohne die übliche idiotische und meist haltlose Anti-Ritalin-Medienhetze. So wird es jedenfalls beschrieben, ob´s eintrifft wird sich erweisen. Was auf der VOX-Seite dazu steht klingt jedenfalls zunächst mal vielversprechend:

Thema: ‘Zappelphilipp und Traumsuse’ – Leben mit ADHS

Heinrich Hoffmann nannte ihn 1844 in seinem Buch “Der Struwwelpeter” einfach “Zappelphilipp” – einen hyperaktiven Jungen mit Konzentrationsproblemen. Heute sprechen Ärzte fachmännisch von einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit oder ohne Hyperaktivität – kurz ADHS. Etwa fünf Prozent aller Kinder leiden an dieser Krankheit. Mit ihrem auffälligen Verhalten bereiten ADHS-Kinder oftmals Eltern, Lehrern und nicht zuletzt sich selbst erhebliche Schwierigkeiten: Sie stören den Unterricht, sind abgelenkt und vergesslich. Ihre unkontrollierten Gefühlsausbrüche machen sie nicht selten zu Außenseitern, lassen sie resignieren oder aggressiv werden. Bei dem 13-jährigen Philipp diagnostizierten die Ärzte neben einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung auch Hochbegabung. Trotz seines IQ-Werts von mehr als 140 wurde für ihn die Schule zum Martyrium. Aufgrund seiner schlechten Noten konnte er in der staatlichen Schule nicht versetzt werden. Auf einem privaten Internat zeigt er jetzt sehr gute Leistungen. Auch Dominik aus Rottenburg bekam die Diagnose ADHS und Hochbegabung. Mit elf Jahren besucht er die “Mini-Notschule”, Deutschlands erste Einrichtung, die auf ADHS-Kinder spezialisiert ist. Hier soll er das Lernen wieder lernen. Untersuchungen zeigen, dass mindestens zwei Prozent der Erwachsenen unter ADHS leiden. Treten zudem Depressionen, Suchterkrankungen oder Angststörungen auf ist eine stationäre Therapie häufig die letzte Chance. Bei SPIEGEL TV Thema erzählen Kinder, Jugendliche und Eltern von ihrem Leben mit ADHS. Zusammen mit Therapeuten, Lehrern und Ärzten werden Schulkonzepte und Therapien vorgestellt.

Ob ich dazu komme, die Sendung zu sehen ist noch offen, eine Wiederholung gibts wohl auch am Samstag…

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Daran wird sich der Bericht messen lassen müssen (via):

Erklärung zur Medienberichterstattung bei ADHS (PDF)

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Nachtrag: die Sendung wird am Samstag, 30.08. um 10.45 Uhr wiederholt

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Alle 11 Teile zum durchklicken:

01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11

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Hat ADS auch Vorteile?

auf der recht informativen und empfehlenswerten privaten Seite www.ads-bei-erwachsenen.de habe ich eine wie ich finde ziemlich vollständige Liste über die positiven Eigenschaften von ADS gefunden. Die Beschäftigung damit ist für jeden ADSler essentiell, die vielfach traurigen Erfahrungen von Ausgrenzung, Ablehnung etc. können nur mit positiven Ansätzen aufgearbeitet werden. “Ressourcenorientiert” nennt sich so eine Therapie bzw. Coaching.

o Interessante Persönlichkeit
- werden nie das Bild der “typischen Frau/ Mann/ Tochter/ Sohn/ etc” erfüllen
- entwickeln sehr schnell ihren ganz eigenen Stil
- vielschichtig
- Menschen mit Überraschungswert
- wandlungsfähig
- offen
- echt
- selbstbestimmt
- interessant
- aktiv
- beweglich
- anspruchsvoll

o Können überdurchschnittlich erfolgreich sein
- bei nötiger Struktur von außen zu ungewöhnlichen bzw. nicht erwarteten Leistungen
fähig
- Last- Minute- SpezialistInnen und Durchzieherqualitäten
- ehrgeizig
- autonom/ unabhängig
- schnell (nicht die Hypoaktiven)
- Hier-und-Jetzt begabt
- Multi- tasking- begabt

o starker Gerechtigkeitssinn
- vermehrte Treue in der Partnerschaft
- faires Verhalten
- Loyalität Freunde gegenüber
- nicht nachtragend

o Fürsorge für Schwächere
- empathisch
- “mütterlich”
- ein Herz für Außenseiter
- hilfsbereit
- sensibel (hören manchmal das Gras wachsen)

o Ungewöhnliche Kreativität in vielen Bereichen
- Einfalls- und ideenreich
- neugierig
- vielseitig interessiert
- phantasievoll

o Denken große Gedanken, träumen große Träume
- Potential für sehr große Ideen und Visionen, denn ADS’ler lernen schon von Kind an gegen
diese “unsichtbare Wand” anzukämpfen und Dinge zu machen, die anderen nur halb so
schwer fällt
- großes Potential an Kreativität und “Andersdenken”
- eine visionäre Vorstellungskraft
- können in ihrer Vorstellungswelt aus der kleinsten Ideen einen großen Durchbruch
machen
- können Zufallsbegegnung zu wunderschönen gemeinsamen Abenden machen
- leben von Träumen

o Fähigkeit zu unkonventionelle Lösungen
- ImprovisationskünstlerInnen
- fühlen sich meist nicht mehr an Normen gebunden
- innovativ
- Neuem gegenüber aufgeschlossen

o Spontan

o Gefühlsbetont

o Konzentrationsfähigkeit auf starke Interessen (Tunnelblick)

o Verhandlungsgeschick

o Rhetorisch und sprachliche Fähigkeiten

o Intelligenz
- oft Hochbegabung oder überdurchschnittliche Intelligenz

o Tierliebe
- hängt vermutlich mit der starken Emotionalität zusammen
- lieben alle Lebewesen, die “anders” sind

o Willensstark
- Oft wird unterschätz welch eine Willenskraft ADS’ler haben- weil man nicht sieht wie viel
Kraft hinter einem “ADS-Leben” steckt
- Leute mit ADS gedeihen am besten mit vielen Herausforderungen

o Geben gerne
- ADS’ler arbeiten oft für andere in einer Weise, wie sie nicht für sich selbst arbeiten
würden

o Mut zum Risiko
- ADS’ler gehen Risiken ein, solange sie die potentiellen Gefahren nicht unterschätzen kann
das eine Stärke bleiben
- gelegentlich verwegen (nicht unbedingt mutig, da bei manchen das Angsterleben fehlt)

o Erleben große Dinge
- ADS’ler suchen den Kick, dass Besondere. Denn nur besonders stimulierende Situationen
oder Reize gleichen ihre Aufmerksamkeits-Störung aus.

Diese Liste gibt es auch als Druckversion, bzw. Download (PDF) HIER

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Anmerkung:

Um der Idee, ADS sei so gesehen ja wohl eher eine Begabung als eine Beeinträchtigung vorzubeugen, sei gesagt, daß einige der positiven Eigenschaften sehr schnell ins Gegenteil umschlagen können. So wird “Gerechtigkeitssinn” und “Fürsorge für Schwächere” auch schon mal zu “engagiertem Mobbing”, Intelligenz zu sturer Ignoranz, Kreativität zu Einfallslosigkeit, je nach Laune und Situation (ich kenne das von mir selber). Das eigentliche Problem dabei sind hier nicht die Eigenschaften, sondern die ADS-bedingte Schwierigkeit zum Belohnungsaufschub und zur intrinsischen Motivation, Probleme, die Stinos so ausgeprägt nicht haben. Von körperlicher Getriebenheit (Hyperaktivität) ganz zu schweigen…

Methylphenidat erhält in den USA Zulassung für Erwachsene mit ADHS

journalmed schreibt heute:

Methylphenidat erhält in den USA Zulassung für Erwachsene mit ADHS

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat dem Antrag von Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development L.L.C. auf Erweiterung der Zulassung für Methylphenidat zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren zugestimmt.

(…)

ADHS-Patienten können jetzt in den USA aufgrund der aktuellen Zulassung über das 18. Lebensjahr hinaus mit Methylphenidat behandelt werden. Ein wichtiger Schritt für die Betroffenen, denn bei ADHS handelt es sich um die häufigste psychiatrische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter, die nach Angaben des Amerikanischen Instituts für Psychische Gesundheit (National Institute of Mental Health, NIMH) bei 30 bis 70 Prozent der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter persistiert. Zudem hat sich gezeigt, dass bei vielen Kindern mit ADHS auch ein Elternteil von der Erkrankung betroffen ist.(…)

zum ganzen Artikel

HIER gefunden Ritalin

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Neues vom Hirn

Hirnscans belegen, daß wir das sehen, was wir sehen wollen. Eine Binsenweisheit, die durch Ergebnisse der Vanderbilt University in Nashville, USA bestätigt wurde (Quelle: SPON):

Einbildung beeinflusst das Sehen

Bilder vor dem geistigen Auge beschränken sich nicht nur auf die Phantasie – sie können auch ganz real verändern, was man sieht. Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals experimentell bewiesen, dass die Vorstellung das Sehen direkt beeinflusst.

Das geistige Auge trägt seinen Namen nicht umsonst. Schon lange ist bekannt, dass machtvolle Sinneseindrücke oder psychische Zustände das Sehen beeinflussen können. Wer etwa in seiner Küche Ungeziefer entdeckt, sieht plötzlich in jedem Staubfetzen einen kleinen Widerling. Wer im Dunkeln Angstattacken hat, erkennt hinter jedem Strauch ein Raubtier.

Jetzt aber hat ein Experiment ergeben, dass es schon ausreicht, sich einmal etwas vorzustellen – und schon hinterlässt es Spuren in der visuellen Wahrnehmung der Umwelt.

HIER WEITERLESEN

Damit bestätigt sich, was Skeptiker und andere Nicht-Leichtgläubige schon immer wußten: die Kobolde im Garten, Feen und sonstige Geister existieren in Wirklichkeit im Kopf des Betrachters…

Wahrnehmungsstil und Folgen

Eines der Symptome von ADS ist ein ego-zentrierter oberflächlicher Wahrnehmungsstil. Gut, man könnte jetzt sagen, nobody is perfect, was an mir an Infos vorbeigeht geht halt vorbei, sooo schlimm isses nicht, das wirklich Wichtige krieg ich mit.

Abgesehen davon, dass letzteres keinesfalls gesichert ist, verursacht ein oberflächlicher Wahrnehmungsstil in bestimmten Lagen Probleme, z.B. beim Lesen von Büchern (oft zu mühselig) oder, “sozial” gesehen, bei Diskussionen in Internetforen. So kann jemand ein Posting zu einem Thema verfassen, ich “überfliege” es und dabei sticht mir ein Satz ins Auge, an dem ich meine Argumentation anknüpfe. Leider ist es manchmal so, dass zu diesem Satz zugehörige Infos, auch “Kontext” genannt, auf der Strecke bleiben. Wenn mir dann aus für mich nicht sofort ersichtlichen Gründen etwas anderes unterstellt wird als ich gemeint habe ist das Problem da: Ich kämpfe um das Verständnis einer Sache, die vom Verständnis dessen, was die andere Seite als “Sache” betrachtet leicht differiert. Das kann, vor allem wenn man es auf der anderen Seite auch mit ADSlern zu tun hat, schnell eskalieren.

Ich bemühe mich allerdings seit einiger Zeit erfolgreich um Besserung, was allein die im Vergleich zu früheren Zeiten mickrige Postinganzahl zeigt.

Übrigens: im echten Leben ist die Gefahr von Missverständnissen kleiner, da ich Gesprächen besser folgen kann als langweiligen und z.T. auch hirnlosen Postings. Jedoch sind, wenns da eskaliert, die Folgen schwerer (man kann sich da nicht so einfach “ausloggen”)