ADHS in den Medien: Zank um das Zappelphilipp-Syndrom
TV-Tipp (Phoenix), hier gefunden:
Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?
Zappelphilipp, Wackelpeter, Traumsuse – sie sind anders als andere Kinder. Sie können nicht stillsitzen, nicht aufmerksam sein, sie stören im Unterricht, sind unruhig, rasen manchmal vor Wut oder träumen nur vor sich hin. Diagnose: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, kurz: ADHS. Nach Schätzungen sollen etwa 300.000 bis 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen sein. Doch über ADHS besteht eine der größten Kontroversen in der Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Meinungen gehen weit auseinander. Ist ADHS eine Hirnfunktionsstörung, die medikamentös behandelt werden muss? Oder wird kindliches Verhalten pathologisiert? Was sind die Ursachen? Gibt es eine genetische Veranlagung? Und welche Rolle spielen soziale Faktoren und Umweltbedingungen? In den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Hyperaktivitätsdiagnosen sprunghaft an. Wie schwer ist eine genaue Diagnose? Werden Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern oft vorschnell als ADHS bezeichnet? Wo ist die Grenze zwischen gesund und krank? Wie sieht der Alltag mit einem ADHS-kranken Kind aus? Wie kann Kindern, Eltern und Lehrern am besten geholfen werden? Die Verschreibungen von entsprechenden Medikamenten gegen ADHS steigen sprunghaft an. Was ist die erfolgreichste Therapie: Medikation, Verhaltenstherapie oder Erziehung?
Diese und weitere Fragen diskutiert Nina Ruge im WissenschaftsFORUM Petersberg mit ihren Gästen: Prof. Gerd Lehmkuhl (Direktor Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Uni Köln), Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber (Direktorin Sigmund-Freud-Institut Frankfurt), Dr. Myriam Menter (Vorsitzende ADHS Deutschland e.V.), Dr. Hans-Joachim Weber (Medizinischer Direktor Lilly Deutschland).
WissenschaftsFORUM Petersberg (PHOENIX): “Zank um das Zappelphilipp-Syndrom – Was tun gegen ADHS?”, Sonntag, 23. November, 22.30 Uhr, Wiederholung: Sonntag, 30. November, 13.00 Uhr
Quelle: PM Phoenix vom 10.10.2008
Also ich will mir das unbedingt anschauen, zwar wird mir bei der Leuzinger-Bohleber mal wieder schlecht werden (ADHS ist nunmal kein Thema für Psychoanalyse), aber da muss ich dann wohl durch. Kontrovers ist das Thema allemal, auch für mich, obwohl ich nicht richtig “funktioniere” fühle ich mich nicht “krank”, nur anders. Spannend…
Bericht folgt nach der Sendung.









Obwohl die Argumente dieser Diskussionen hinlänglich bekannt sind (wissenschaftlich fundierte Lehrmeinung gegen ideologisch fundiertes Menschenbild, Verhaltensgenetik vs. Erziehungsoptimismus) hat das Thema immer wieder neuen Pfeffer.
Werde es mir anschauen und bin mal gespannt was für “neue Erkenntnisse” da auf den Tisch kommen*Grübel*
Ich werde es mir auch anschauen.
ZIT.:”zwar wird mir bei der Leuzinger-Bohleber mal wieder schlecht werden (ADHS ist nunmal kein Thema für Psychoanalyse)”
In solchen Sendungen müssen ja verschiedene Meinungen vertreten sein, damit es zu einer Diskussion kommt, die mehrere Perspektiven beleuchtet. Hoffentlich wird auch sachlich argumentiert.
Ich sehe das auch so wie Du. Man kann eine ADHS einfach nicht “wegreden”. Aber die Psychoanalyse kann vielleicht einigen Menschen helfen, durch ADHS bedingte Traumata zu bewältigen. Naja, bin jedenfalls mal gespannt.
LG tigger
Boah, hilf Himmel wirf Hirn runter!
Warum wird immer nach Traumata gesucht? Warum nicht einfach hingeguckt und das Kind gefragt was mit ihm los ist? Kann es sein, dass es zu lange vor dem Fernseher sitzt und zu lange im Auto und zu wenig Bewegungsfreiheit hat?
http://dedeei.wordpress.com/2008/11/13/einfach-mal-ofter-abdrehen/#comment-41
Die Frau hat meiner Ansicht nach schon die Lösung gefunden. Die findet man natürlich nicht wenn immer nur diskutiert wird. Sondern einfach den Mut zur eigenen Natürlichkeit hat.
@tiggger,
es gibt soweit ich weiß weitaus wirkungsvollere Methoden, Traumata zu behandeln als Psychoanalyse, EMDR zum Beispiel. P. ist langwierig, teuer und fragwürdig. Sicher mag in seltenen Fällen eine tiefenpsychologische Intervention hilfreich sein, Voraussetzung ist aber eine gescheite ADHS-Behandlung als Grundlage. Alles andere ist Pfusch. Das gilt aber nur da, wo eine tatsächliche PTBS als Begleitstörung vorliegt.
In den (meisten) anderen Fällen wird mMn das Thema “Trauma” viel zu schnell ausgepackt, oft genug ist allein die Beschäftigung mit “Trauma” schon traumatisierend (ein Trick der Analytiker um ihre Klienten so lange wie möglich bei der Stange zu halten). Käse.
@rotegräfin,
frei nach Dieter Nuhr: Wenn man nun gar keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!
Vielen Dank für den Tipp! Ich hab’ mir auch gerade den Wecker gestellt!
Den Wecker stellen ist vielleicht gar nicht notwendig, Phönix stellt diese Sendung vielleicht als Stream zur Verfügung. Es gibt ein Videocast:
http://www.phoenix.de/videostreams/165519.htm#
@ Achter: Nochmal Danke für den Tipp! Das ist ja noch besser!
Ich find’s auf jeden Fall auch hochinteressant.
Hochinteressant ist aber auch Deine o.g. Aussage. Viele Menschen mit Tics, auch mit komplexen haben zwar oft, aber nicht zwingend auch AD(H)S komorbide, empfinden sich aber deswegen auch nicht als “krank” – und das widerum mögen andere mit Tics & Co. überhaupt nicht, sie bekämpfen solche Aussagen regelrecht. DAS ist sehr anstrengend und geht einem ziemlich auf den Keks …
Also ich wollte eigentlich gar nicht die Psychoanalyse bei ADHS befürworten. Ich bin nämlich auch überzeugt, dass die bei einer angeborenen genetisch bedingten Erkrankung wie der ADHS nicht helfen kann, sondern nur im Rahmen bestimmter Komorbiditäten ihren Sinn hat. Abgesehen davon bin ich auch nicht sicher, ob die Freudschen Methoden immer das Richtige sind. Aber das ist ein anderes Thema.
Eigentlich wollte ich nur begründen, warum sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde nicht von vornherein einig sein können: Weil das Thema dann nicht kontrovers genug fürs Fernsehen diskutiert werden würde.
Was Traumata betrifft, denke ich, dass ADHSler aufgrund ihrer Sensibilität und Dünnhäutigkeit häufiger traumatisiert werden als “Normalos” (bei den gleichen Ereignissen). Aber trotzdem kann man nicht immer alles auf ein Trauma schieben, damit machen es sich einige Therapeuten mE auch zu einfach.
“Was Traumata betrifft, denke ich, dass ADHSler aufgrund ihrer Sensibilität und Dünnhäutigkeit häufiger traumatisiert werden als “Normalos””
Das denke ich auch.
Das Thema ADHS ist immer noch nicht genug in den Blickpunkt gerückt. Es gehen einfach noch zu viele “Märchen” rund. Neulich am Telefon mit einem Legasthenietrainer (wegen des Kleinen) über meinen großen Sohn: “MUSS er Medikamente nehmen?” Da brennen bei mir ja mittlerweile schon alle Sicherungen durch, Antwort: “Er DARF Medis nehmen und wir sind richtig froh damit!” Am anderen Ende: schweigen
Hallo Achter,
gelobt seien doch die permanenten Abwertungen in unserer Gesellschaft. Dazu sagte meine Ma oft: “Warum einfach wenn es auch kompliziert geht?”
So fall ich mal ganz schnell in mein ADHS dingsdabums zurück und spiel Rumpelstilzchen und klau der Frau Königin ihr Kind.
“Schad meiner Mutter gar nix, wenn mir die Hände frieren, warum kauft sie mir keine Handschuhe.” sagte meine Mutter mit ADHS oft. Eine völlig überforderte Frau mit acht Kindern. Mein Daddy hatte dann noch die besondere Freundlichkeit mir zu erzählen, dass meine Mutter eine schlechte Mutter wäre.
@ elphaba,
wie wäre es sich mal den Gefühlen der Kinder zu wenden? Kinder reagieren auf die unausgesprochenen Gefühle der Erwachsenen und agieren sie aus. Die einen mit Rückzug ins Träumen und die anderen mit Hyperaktivität. Medikamente sollten mir aller Vorsicht genommen und gegeben werden. Die Nebenwirkungen sind auf lange Sicht oft eine Sucht.
Ee liegt also an Dir was für ein Mensch Dein Kind werden soll. Selbstbewusst und mit dem Vertrauen in sich selbst, dass seine Gefühle gehört und angenommen werden und dann eine Lösung gefunden wird. Oder soll es lernen, dass es mit seinen Gefühlen unerwünscht ist und deswegen Tabletten braucht.
Die Pharmaindustrie freut sich und lacht sich dabei eins ins Fäustchen. Schon wieder jemanden abhängig gemacht. Prima.
Machen wir uns doch nichts vor, wir leben in einer künstlichen Welt, die uns suggeriert Schmerzen und Gefühle dürfen nicht sein, sonst stürzt unser ganzes künstliches Gedankengebäude zusammen.
@elphaba
Es kommt also darauf an ob Du ein lebendiges und glückliches Kind haben willst und lernst, dass alles was nicht unmittelbar zum Tode führt einen nur lebendiger machen kann, oder ob Deine Freude Dir wichtiger ist, als die lebendige Entwicklung Deines Kindes.
@trotegräfin,
du hast keine, aber auch gar keine Ahnung von ADHS. Das bleibt mal festzuhalten!
Informiere dich gefälligst, bevor du deinen ideologischen Müll hier ablädst:
http://adhsinfo.wordpress.com/links/
Ich hab heute keine Lust auf so einen Dummsinn zu antworten.
Ich finde sowas einfach nur traurig. Manche Leute BILDEN sich keine Meinung, indem sie sich z. B. mit einer Thematik beschäftigen, sondern sie HABEN sie schon, zumindest glauben sie das. Für diese Menschen sind die Bösewichte auf der Welt schon vordefiniert. Meistens die Wirtschaft oder Industrie (hier die Pharmaindustrie), oftmals noch Politiker und bei ADHS natürlich auch die “bösen” Ärzte, die die Medikamente verschreiben.
Diesen Menschen kann man zig mal erzählen, dass sich eben KEINE SUCHT entwickelt, dass ADHS vererbt wird und nichts mit unterdrückten Gefühlen zu tun hat etc. Irgendwie fehlen da ein paar Gehirnwindungen.
@rotegräfin:
Es gehört sich einfach nicht, sich zu Themen zu äußern, von denen man keinen blassen Schimmer hat! Und erst recht gehört es sich nicht, aus diesem Unwissen heraus anderen Menschen erzieherische Inkompetenz oder ein schlechtes Gewissen einzureden!
Ach schon wieder eine ganze Gruppe von Menschen die lieber Leiden anstatt Probleme lösen. Prima weiter machen! Wer zu letzt lacht lacht am Besten
Für die Leser, die etwas weniger zynisch sind als rotegräfin gibts hier eine lesenswerte Zusammenfassung über die wichtigsten Aspekte von ADHS:
http://gedankengaenge.wordpress.com/category/adhs/ein-leben-mit-adhs-die-welt-anders-sehen-und-begreifen/
Danke an Tigger für die Fleissarbeit
Zurück zum Thema.
Es gibt jetzt auch eine offizielle Ansage zur Sendung auf der Phönix-Webseite:
http://www.phoenix.de/wissenschaftsforum_petersberg/2008/11/23/0/210844.1.htm
Habe die Sendung grad gesehen. Von “Zank” war keine Spur, auch bei Leuzinger-Bohleber ist mir nicht schlecht geworden. Viel mehr Konsens als Dissens, die “Fronten” waren weit weniger voneinander entfernt als sonst in den Medien.
Gut fand ich die Moderation von Frau Ruge, und zwar aus 2 Gründen:
Erstens wurde das Gespräch recht streng nach den Bereichen Symptomatik, Diagnose, Ursache, Behandlung etc. geführt, so konnte man einiges über ADHS erfahren, ohne sich vorschnell im Reizthema Medikamente festzubeissen.
Zweitens war Frau Ruge die perfekte Ahnungslose, die die Fragen vom Skript gelesen hat (peinlich die Aussage Atomotexin sei ja gar kein Psychopharmakon). Jeder, der sich zum ersten Mal informieren will konnte sich mit ihr identifizieren.
Insgesamt hat diese Sendung einen sehr hohen Informationsgehalt, gerade für verunsicherte Eltern, deren Kinder gerade in der Abklärung/Diagnose stehen…
Ja moin,
jetzt möchte ich eine kleine Frage stellen.
Schreib grad Prüfung über das Thema und hab viel Fakten und Statistik um die Ohren, also:
Wie ist zu erklären das die Prävalenzraten von ADHS zwischen 6-25% schwanken, und wie kommt es dazu, dass sich die bestätigten Diagnosen innerhalb der letzten zehn Jahre um den Faktor 28! vergrößerten?
@Dr. Hope,
wenn Sie, wie Sie behaupten, “viel Fakten und Statistik” um die Ohren haben, müssten Sie wissen, daß die “geschätzte” Prävalenz hierzulande deutlich geringer ausfällt als von Ihnen behauptet (Faustregel 5%). Auch müssten Sie wissen, daß diesbezüglich seitens des BMGS bereits 2003 eine Studie in Auftrag gegeben wurde, die Prävalenzrate festzustellen (Ergebnis 3,9%) HIER die Kurzfassung.
Die Zunahme der Diagnosen ist im Wesentlichen dem Erkenntnisgewinn geschuldet, ganz einfach! Die neunziger Jahre waren das Jahrzehnt der Neurowissenschaften, Anfang des Jahrtausends wurde das menschliche Genom entschlüsselt, man kann nicht erwarten, daß die Tendenz zu mehr Wissen an der klinischen Medizin spurlos vorbeiläuft.
Wie auch Herr Weber in der im Beitrag erwähnten Sendung sagt (zur Frage der Zunahme von Medikamenten-Verordnungen): die Zunahme ist die “Korrektur einer Unterversorgung”.
Ansonsten raten ich Ihnen, sich erstmal in der entsprechenden Literatur zu erkundigen, wenn Sie, wie beim Thema “Prävalenzrate”, auch von anderen Dingen so wenig Ahnung haben, sehe ich schwarz für Ihre “Prüfung”, was auch immer da geprüft werden soll…
Herzliche Grüße,
Achter