„Das Ich – eine virtuelle Murmel“

2008 Juni 22

Ein interessantes Interview des Focus-Online mit Douglas Hofstadter über die Illusion des Bewußtseins. Unter anderem schreibt er auch über die Übertragbarkeit von Information von Gehirn zu Gehirn und die damit verbundene Vernetzung, hier ein kurzer Auszug des ebenfalls sehr kurzen Interviews:

(…)Die „Seele“, das „Ich“, das „Selbst“ oder das „Bewusstsein“ – das sind für mich austauschbare Begriffe. Ich verstehe die Seele als komplexes Muster, das aus der Mikromaschinerie – Nervenzellen, Synapsen – des Gehirns erwächst, so wie ein Mosaik aus kleinen Bausteinen entsteht. Und genau so, wie man ein gleiches Mosaik aus anderen Steinen zusammenlegen kann, lassen sich diese Muster in anderen Gehirnen rekonstruieren. Meistens spuken die Seelen anderer Personen in niedriger Auflösung in unseren Köpfen herum, doch manchmal erreichen sie fast den Körnungsgrad des Originals.(…)

Das würde bedeuten, das “ich” gar nicht so sehr “ich” bin als eher ein zusammengewürfelter Haufen anderer “Ichse”, in meinem Gehirn mehr oder weniger stark und einflussreich vorhanden. Ein Aspekt der Memetik ohne den Begriff Memetik gut erklärt!?

4 Responses leave one →
  1. 2008 Juni 22

    Na, wenn das nicht was Religiöses hat (auch wenn Herr Hofstadter das nicht gerne hören würde?)! Eine sehr interessante und ansprechende Herangehensweise an das Thema. Gibt es dann vielleicht doch eine All-Seele (= Kultur) und einzelne Seelen (Geister, die in anderen Gehirnen spuken), die durch starke Liebe oder Hass entstehen?

  2. 2008 Juni 22

    So isses halt, man liest “Seele” und denkt an was Religiöses…

    Religiös wäre es wohl dann, wenn man diese “Seelen” als etwas Metaphysisches begreift. Das sind sie allerdings nach Hofstadter nicht. Ich halte die Verwendung des Begriffs “Seele” in diesem Zusammenhang für verführerisch, ich würde ihn in im Gegensatz zu H. nicht gebrauchen, eben wegen der Mißverständlichkeit.

    Zu deinem letzten Satz: Emotionen wie Liebe oder Hass oder andere beeinflussen die Vernetzung sicher, wieso sollten sich mir die Gedanken eines Menschen andienen, der mir völlig gleichgültig ist?

  3. 2008 Juni 24
    reizbareMaschine permalink

    nichts neues
    unglaublich mit was naturwissenschaftler aufwarten können und wahrgenommen werden, während sie den geisteswissenschaften doch nur hinterherhecheln. die aspekte des ichs bzw. dessen illusionärer erscheinung sind doch seit buddha, veden, mystik (religionen?) und spätestens seit schopenhauer, nitzsche populär und viel ausdifferenzierter als die blosse feststellung der nichtexistenz des ichs

  4. 2008 Juli 5
    Geist permalink

    Ach hör mir doch auf, schon wieder so ein Fan der brotlosen Geisteswissenschaften, die außer nutzlos Steuergelder zu fressen nicht wirklich etwas erreichen. Bä pfui Naturwissenschaften, das sind doch alles Neidhammel, neidisch auf die Esotherik, neidisch auf Gott… jaja wir wissens, alles eine einzige Schlangengrube – weil sie nicht das Weltbild bestätigen das man sich ja so sehr wünscht und dem die Geisteswissenschaftler viel aufgeschlossener gegenüber stehn… Man sollte echt die Steuergelder nach den bisherigen brauchbaren Resultaten verteilen, also nach dem ökonomischen Nutzen, mal sehn wie viel die Schamanenforscher dann noch bekommen oder doch lieber dann etwas richtiges studieren müssen. ;-)

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