Komorbidität
Im Umgang von ADSlern untereinander wird nicht so gerne über komorbide Störungen gesprochen, da ist eher von ADS in Kombination mit Hochbegabung oder ADS als “Gabe, Andersbegabung” die Rede. Verständlich, denn warum sollte man sich selbst pathologisieren wollen. Ich bin auch nicht frei davon. Dazu kommt noch eine mangelhafte Selbsteinschätzungsfähigkeit, übrigens bei fast allen ADSlern.
Im Wikipedia-Artikel über ADHS (der sich übrigens in den letzten Jahren zu einer recht brauchbaren Kurzübersicht entwickelt hat) gibt es eine kleine Aufstellung der häufigsten Komorbiditäten im Erwachsenenalter:
Komorbidität im Erwachsenenalter
Sucht
Bei unbehandelten ADHS-Betroffenen ist die Gefahr, eine Sucht auszubilden, um ein Vielfaches größer als bei Nichtbetroffenen. Auf dem 9. Suchtmedizinischen Kongress 2000 in München stellte Michael Huss eine Studie vor, die besagt, dass behandelte Betroffene ein signifikant geringeres Suchtrisiko als unbehandelte haben. Das Suchtrisiko behandelter Betroffener entsprach dem einer Normalperson. Neurologen sehen den Grund für die erhöhte Suchtneigung ADHS-Betroffener darin, dass diese mit Drogen versuchen, eine Selbstmedikation durchzuführen. Alkohol, Nikotin und viele Drogen wirken auf den gestörten Dopaminhaushalt so, dass der Betroffene sich unter dem Einfluss dieser Stoffe ruhiger und leistungsfähiger fühlt. Da diese Stoffe schlecht kontrollierbare Nebenwirkungen haben und eine Abhängigkeit durch die Gewöhnung entwickelt werden kann, besitzen Personen mit ADHS ein hohes Suchtpotential.
Affektive Störungen
Affektive Störungen sind eine ganze Gruppe von Störungen und Diagnosen, die sich von der Manie und der Bipolaren Störung bis zur Depression erstreckt. Allen Störungen ist eine anhaltende Störung der Affekte also der Grundstimmung gemein.
Angststörungen
Angststörungen bezeichnen erneut eine ganze Gruppe von Störungen in denen eine Angst vor einem Objekt oder einer Situation im Vordergrund steht, die nicht angemessen ist.
Zu den Angststörungen gehören nach dem ICD 10:
- Agoraphobie also Platzangst
- Soziale Phobien
- Spezifische (isolierte) Phobien wie beispielsweise die Arachnophobie oder Klaustrophobie
- Sonstige phobische Störungen
- Phobische Störung, nicht näher bezeichnet
- Panikstörung
- Generalisierte Angststörung
- Angst und depressive Störung, gemischt
Persönlichkeitsstörungen
Persönlichkeitsstörungen sind verschiedene überdauernde Erlebens- und Verhaltensmuster mit Beginn in der Kindheit und Jugend, die von einem flexiblen, situationsangemessenen (”normalen”) Erleben und Verhalten in jeweils charakteristischer Weise abweichen. Sie sind durch relativ starre mentale Reaktionen und Verhaltensformen gekennzeichnet, vor allem in Situationen, die für die jeweilige Person konflikthaft sind. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens beeinträchtigt.
Somatisierungsstörungen
Somatoforme Störung sind körperliche Störungen die nicht auf eine organische Ursache zurückgeführt werden können, also psychisch bedingt sind.
Sehr wichtig dabei zu verstehen ist, dass viele Psychiater, Psychotherapeuten und vor allem Psychoanalytiker immer noch zuwenig über die ADHS/ADS und deren Häufigkeit wissen (oder wissen wollen) und daher eine ADHS als Basis für z.B. eine Depression diagnostisch nicht einmal in Erwägung ziehen. So verschleppt sich ein Leid unnötig und z.T. jahrelang und wird sinnlos und uneffektiv behandelt.
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