Sigmund Freud über ADHS

natürlich gab es den Begriff ADHS zu Freuds Zeiten noch nicht, aber erkannt hat er es schon:

Sigmund Freud und die Aufmerksamkeitsstörung

Johanna und Klaus-Henning Krause

Bei der Vielzahl der von Freud beschriebenen psychischen Auffälligkeiten überrascht es nicht, daß dieser vielleicht wichtigste Forscher des 20. Jahrhunderts um die Problematik der Aufmerksamkeitsdefizit-Störung wußte, wobei er selbst sich nicht als betroffen ansah. Er sagt dies klar in seiner Schrift „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“:

„Es gibt Menschen, die man als allgemein vergeßlich bezeichnet und darum in ähnlicher Weise als entschuldigt gelten läßt wie etwa den Kurzsichtigen, wenn er auf der Straße nicht grüßt. Diese Personen vergessen alle kleine Versprechungen, die sie gegeben, lassen alle Aufträge unausgeführt, die sie empfangen haben, erweisen sich also in kleinen Dingen als unverläßlich und erheben dabei die Forderung, daß man ihnen diese kleineren Verstöße nicht übel nehmen, d. h. nicht durch ihren Charakter erklären, sondern auf organische Eigentümlichkeit zurückführen solle. Ich gehöre selbst nicht zu diesen Leuten und habe keine Gelegenheit gehabt, die Handlungen einer solchen Person zu analysieren, um durch die Auswahl des Vergessens die Motivierung desselben aufzudecken.“ (1, S.173)

An dieser Textstelle ist besonders bemerkenswert, daß Freud nicht nur perfekt eine wesentliche Facette der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) schildert, sondern daß er zu dem in geradezu seherischer Weise die Erkenntnisse der letzten Jahre als Argument der Betroffenen vorwegnimmt, wonach es sich nicht um eine Charakterschwäche, sondern um eine „organische Eigentümlichkeit“ handelt. Doch Freud wäre nicht Freud, wenn er nicht psychoanalytische Überlegungen zur Problematik der Aufmerksamkeitsstörung anstellte; und so fährt er in seinem Text fort: HIER der ganze Bericht!

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Interessant dabei finde ich, dass manche orthodoxe Freudianer von heute eine organische Ursache von ADHS geradezu fanatisch abstreiten und die Ursache eher in irgendwelchen frühkindlichen Traumata suchen. Es scheint als ob die relativ hohen Kosten einer psychoanalytischen Ausbildung um jeden Preis durch langwierige Therapiemassnahmen wieder reingeholt werden sollen. Das behaupte ich einfach mal so, es gibt sicher auch Ausnahmen die das anders sehen…

Thema “Freud” via Schlammschwimmer

One Response

  1. Wie recht DU hast:”Es scheint als ob die relativ hohen Kosten einer psychoanalytischen Ausbildung um jeden Preis durch langwierige Therapiemassnahmen wieder reingeholt werden sollen.”

    Beste Grüße Lars

    Lars Michael Lehmann - April 22, 2008 at 8:54 Uhr vormittags

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