Underachiever

2008 März 19

Ich war eigentlich schon immer ein “Käpsele” (schwäbisch für jemanden der “kapiert”). Von der Grundschule in die Realschule, von dort nach einem Jahr weiter ins Gymnasium, dort vor allem in Mathe beste Leistungen. Hausaufgaben habe ich selten gemacht (war ein renitenter und aufmüpfiger Schüler), doch die Lehrer haben meine “Faulheit” und mein freches Maul wohl hingenommen, soweit ich mich erinnere, vielleicht wegen der guten Noten.

Dann kam irgendwann der schulische Absturz, “falsche” Freunde, Dope, Alkohol und vor allem Desinteresse an der Schule, am ganzen System. Dann wars vorbei mit den guten Noten, sitzengeblieben, noch vor dem Abi die Schule verlassen, versumpft, Zivildienst, keine Berufsausbildung. Berufslaufbahn “Taxifahrer” eingeschlagen. Freunde und Bekannte haben mir immer wieder gesagt, ich könne mehr, ich hätte es “drauf”, Perlen vor die Säue.

Nun, ich habs nicht auf die Reihe gekriegt, keine Frage des Willens, sondern des Könnens. Bin bei mehreren Versuchen aus dem Taxi “auszusteigen” wieder und wieder gescheitert. Als Naturverpeilter hat man es nicht leicht.

Als ich dann vor wenigen Jahren diagnostiziert wurde, war der Befund ADS eine Sache. Darauf war ich schon vorbereitet, das habe ich geahnt. Das andere, überraschendere, war das Ergebnis des IQ-Tests. Darin wurde mir ein sehr hoher IQ bescheinigt: 4. Standardabweichung, Obergrenze HAWIE. Ich bin von der Psychologie-Praxis nach Hause gefahren, habe mir meine Lebens-Situation vor Augen geführt, meinen IQ gegenübergestellt und bin in Tränen ausgebrochen. Das war heftig. Gefühlsmäßig habe ich die Diskrepanz zwischen meiner Realität und meinen vorhandenen, nichtgelebten Möglichkeiten als einiges qualvoller erlebt als die Diagnose ADS an sich. Warum, und das war die Frage, warum hat “man” das nicht früher gewußt. Einiges wäre mir erspart geblieben…

Aber das alles ist eigentlich Schnee von gestern, mittlerweile habe ich mich damit abgefunden und bin dabei, meine Resourcen in kleinen Schritten zu entwickeln. Jammern nützt eh` nichts.

Beitrag zuletzt bearbeitet am 25.04.08

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Eigentlich wollte ich was schreiben über ADHS und Hochbegabung. Es gibt jedoch mittlerweile einiges darüber im Netz, daher beschränke ich mich hier vorläufig auf ein paar Links dazu:

Eigensinn: Hochbegabung und ADS, beides zusammen

Miriam Bachmann: Hochbegabt oder ADS? (PDF), DGhK

2 Antworten
  1. 2009 April 23
    lebeaurenard Permalink

    4. Standardabweichung ist ein heftiges Ergebnis.

  2. 2009 April 23

    Ja, ich weiß. Ich war hoch motiviert, hatte wohl einen sehr guten Tag und beste äussere Bedingungen. Ich bezweifle, daß ich das wieder schaffen würde.
    Ausserdem steigt die Ungenauigkeit mit jeder Standardabweichung.

    Wikipedia sagt (Intelligenzquotient):
    [...]Je weiter ein Messwert von 100 entfernt ist, desto größer ist sein Messfehler. Sehr hohe und sehr niedrige IQ-Werte sind deshalb unzuverlässig und sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Da man von Hochbegabung erst bei einem Wert oberhalb der zweifachen Standardabweichung spricht, also bei dieser Skalierung Werten von über 130, kann diese nur mit speziell dafür ausgelegten Tests hinreichend sicher ermittelt werden[...]

    Der HAWIE ist nicht speziell für HB ausgelegt.

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